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Die Installation „The Making of History“ im Gorki Studio

MakingOfHistory_c_Filmstill„Was würdest du an deiner Schule ändern?“, fragt Regisseur Daniel Kötter die Grundschüler des kleinen Dorfs Kigarama in Tansania. Eine Neunjährige gibt ihm die irritierende Antwort: „Ich würde einen Zaun bauen, möglichst hoch und aus Eisen.“ – Wie unterschiedlich die Bedeutung von Zäunen sein kann, ist nicht das eigentliche Thema des dokumentarischen Film- und Theaterabends „Making of History“ von Constanze Fischbeck, Daniel Kötter und Hans-Werner Kroesinger. Aber Zäune sind ein Leitmotiv: Sie verbinden unterschiedlichste Lebenswege, Gegenwart und Vergangenheit, und die Familiengeschichte der Bühnenbildnerin und Regisseurin Constanze Fischbeck mit einer Grundschule in Tansania und dem Konzentrationslager Bergen-Belsen.

In einem 45-minütigen Film ist Constanze Fischbeck gemeinsam mit Daniel Kötter den Spuren ihrer Großeltern gefolgt: Als Religionslehrer der Missionsschule in Kigarama wurden sie unter britischem Mandat mit Beginn des Zweiten Weltkriegs automatisch zu zivilen Kriegs­gefangenen und landen über Umwege im Gefangenenlager Atlit in Palästina, heute Israel. 1944 werden sie gegen jüdische Gefangene des Konzentrationslagers Bergen-Belsen ausgetauscht. Der Film folgt den subjektiven Erinnerungen: der Familie, des 92-jährigen Kolutindo Sospater, der von den Großeltern Fischbeck in Kigarama getauft wurde, oder der 90-jährigen Israelin Elisheva Auerbach, die unter den sogenannten Austauschjuden von Bergen-Belsen war. Die Geschichte bleibt im Hintergrund.

Historische Dokumente sind dem zweiten Teil des Abends vorbehalten: Der szenische Kommentar in der Regie von Hans-Werner Kroesinger hinterfragt die subjektive Erzählweise des Films und wirft einen distanzierten Blick auf die koloniale Vergangenheit und den Menschenhandel im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Im Auseinanderdriften von Film und szenischem Kommentar befragt der Abend unser Geschichtsverständnis. Direkt neben dem ehemaligen Konzentra­tionslager Bergen-Belsen liegt ein NATO-Truppenübungsplatz, erzählt Daniel Kötter, von der deutschen Wehrmacht 1938 in Betrieb genommen. Wenn man über den Friedhof der Gedenkstätte geht, der an mehr als 70?000 Menschen erinnert, die hier ums Leben kamen, hört man heute wie damals die Geräusche von nebenan.    

Text: Anja Quickert


Making of History

im Maxim Gorki Theater Studio,
z.B. 11., 13., 14., 18., 20.10., 20.15 Uhr,
Karten-Tel. 20 22 11 15

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