Theater

„Die Kommune“ in den DT-Kammerspielen

DieKommune_c_ArnoDeclairWie viele Kommunen gibt es wohl noch in der Stadt, die mal berühmt war für diese Lebensform zwischen Freiheitstraum und Abstimmungsterror? Eine hat es jetzt ins Theater geschafft. Der dänische Dogma-Regisseur Thomas Vinterberg („Das Fest“) hat das in der 70er-Jahren angesiedelte Drama „Die Kommune“ im vergangenen Jahr mit Wiener Burgschauspielern aus Improvisationen entwickelt. An den DT Kammerspielen lässt nun Rafael Sanchez sein Ensemble ziemlich frei mit dem Stück umgehen und auch mal die jüngste Soziologie-Lektüre mit  einfließen. Dieser Kommune steht ein gar nicht so heimlicher Patriarch vor. Erek gehört das Haus, in dem er mit seiner Frau Anna, Tochter Freja und einer Handvoll frisch gecasteter Kommunarden lebt. Diese Eigentümerkarte spielt er prompt aus, als die  Gemeinschaft zunächst gegen den Einzug seiner Geliebten Emma stimmt. Während also die Zweitfrau einzieht, verfällt Erstfrau in Depressionen. Der Rest findet das ungemütlich. Die DT-Spieler machen aus dem WG-Drama ein Ensemblefest. Mit sichtlicher Lust schmeißen sie sich in die Rolle der Hedonisten, die im Pyjama um Simeon Meiers an die Rampe geschobenen Küchentisch lümmeln. Nicht historisch mit Sex and Drugs and Hippieschick, sondern zeitgemäß mit Bio-Honig und SZ-Feuilleton.

Leider, und das ist die kleine Schwäche dieses leichtgewichtigen, unterhaltsamen Abends, teilt sich das Personal etwas zu offensichtlich in Protagonisten und Nebenrollen: Während das zentrale Konfliktdreieck zu großer Form aufläuft, muss das Kommunenfußvolk ackern, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Am ehesten gelingt das noch dem Demokratiezampano Ole, der bei Peter Moltzen sein Weinglas nicht aus der Hand stellt, und der überkandidelten Mona, die Susanne Wolff mit einer Überdosis Künstlichkeit pimpt. Umso charmanter vermischt Matthias Neukirch als Erek den dackeläugigen Schluffi mit dem knallharten Eigeninteressenvertreter, den noch nicht mal die halbwüchsige Tochter (Felicitas Madl) erweichen kann. Freundin Emma bleibt bei Anita Vulesica eine herzlich-robuste Außenseiterin. Am eindrucksvollsten aber rettet Judith Hofmann die sitzen gelassene Anna vor dem Klischee: Ihre betrogene Ehefrau bemüht sich um Coolness und sendet doch Giftpfeile, ist unglücklich, aber nicht sentimental. 

Text: Eva Behrendt

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Sehenswert

Die Kommune DT-Kammerspiele, Sa 4., Di 14.2., 20 Uhr, So 19.2, 18 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 21 

Theater und Bühne in Berlin von A – Z

Mehr über Cookies erfahren