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„Die lächerliche Finsternis“ in den Kammerspielen des Deutschen Theaters

Lächerliche Finsternis in den Kammerspielen des DT

Nichts ist schlimmer als deutsche Gegenwarts­dramatiker, die sich, ausgestattet mit gegoogeltem Halbwissen und halbgaren Thesen, an die ganz großen Themen wagen: Globalisierung! Krieg! Imperialismus! Was dabei herauskommt, sind peinliche Klischeebestätigungs­übungen. Wolfram Lotz ist klüger. Seine Texte reflektieren die strukturelle Unangemessenheit dessen, wenn deutsche Schauspieler in wohlbeheizten Stadttheatern Kriegstraumatisierte, Elends­flüchtlinge oder Kindersoldaten darstellen (und dem Publikum gefallen wollen).
Sein neues, derzeit nach der Wiener Uraufführung an vielen Bühnen nachgespieltes Stück, legt schon im Titel seine Paradoxien offen: „Die lächerliche Finsternis“. Der Blick des Stadttheaters in den Abgrund kann schnell unfreiwillig komisch werden. Lotz bedient sich bei prominenten Vorlagen, die vom Verschwimmen der Grenzen zwischen Zivilisation und Barbarei erzählen: Joseph Conrads Roman Joseph Conrad „Herz der Finsternis“ und dessen von Afrika in den Vietnamkrieg verschobene Coppola-Verfilmung „Apokalypse Now“. Lotz versetzt die Reise zweier Soldaten in eine bedrohliche Wildnis von Afrika und Vietnam nach Afghanistan. Aber damit jeder merkt, dass wir im Theater sind und die Exkursion zu den Selbstgefährdungen der Zivilisation hier nur Spiel und Fiktion sein kann, wuchert am Hindukusch der Regenwald. Lotz dreht den Stoff spöttisch in die bundes­republikanische Wohlstands­groteske, etwa wenn sich ein Blauhelm-Offizier darüber aufregt, dass diese schlecht erzogenen Wilden dauernd ihre Schokaladen­papiere im Urwald liegen lassen und auf der Camp-Toilette im Stehen urinieren.
Daniela Löffners Inszenierung entsorgt das in den DT-Kammerspielen in die trashige Typenkomödie. Alexander Khuon führt die leicht debile Eitelkeit des Bundeswehr-Hauptfeld­webels Pellner breit grinsend vor, Moritz Grove macht deutlich komischer und weniger breitbeinig aus dem Soldaten Dorsch eine verdruckste Knalltüte in Uniform. Kathleen Morgeneyer wechselt die Rollen vom somalischen Piraten über den pädophilen Urwald-Missionar bis zum durchgedrehten Ex-Bundeswehr­offizier mit Leichtigkeit und ohne übertriebene Subtilität aufkommen zu lassen. Der lustige, nicht unsympathische Abend im Kindergeburts­tagsstil bleibt deutlich unter den Möglichkeiten von Lotz’ böse-doppelbödiger Farce.    

Text: Peter Laudenbach

Bild: Arno Declair

tip-Bewertung:

Die lächerliche Finsternis, Deutsches Theater ?Kammerspiele, Sa 3.1., Sa 10.1., 20 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 21

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