Theater

„Die Macht der Finsternis“ an der Schaubühne

MachtDerFinsternisMit seinem vorübergehenden Wechsel vom Deutschen Theater an die Schaubühne hat sich Michael Thalheimer keinen Gefallen getan. Anders als an seinem Berliner Stammhaus fehlen ihm bei seiner Inszenierung von Tolstois naturalistischem Reißer „Die Macht der Finsternis“ am Ku’damm nicht nur seine vertrauten Schauspieler, sondern überhaupt Darsteller, die sich mit der nötigen Kraft und Genauigkeit auf die Härten und Zuspitzungen seines verknappenden Konfrontativ-Stils einlassen können. Dabei stellt die Bühne, wie immer von Olaf Altmann, schon mal sehr schön klaustrophobische Enge her: Düstere, enge, niedrige Gänge in einer hohen, rampenparallelen Wand. Wer hier eingesperrt ist, kann sich den Luxus des aufrechten Gangs und subtilerer Gefühle für seine Mitmenschen und Nachbar-Höhlen-Insassen kaum leisten. Das passt zu den stumpf-geilen, geldgierig-verrohten Figuren, die Tolstoi vorführt: der herrische, reiche, aber jetzt im Sterben liegende Bauer, den seine junge Frau (Eva Meckbach) nur als „widerlichen Köter“ beschimpft, die Tochter, die ihre Mutter genervt als „Du Mistvieh, du Hexe …“ tituliert, der Knecht Nikita (Christoph Gawenda), der es erst mit der Tochter und dann, die Erbschaft fest im Blick, mit der Mutter treibt – lauter mäßig sympathische Höhlenbewohner. Leider kippt das schon mit dem endlos gedehnten, eitel zelebrierten Verröcheln des reichen Bauern (Kay Bartholomäus Schulze) ins unfreiwillig Komische. Einzig Judith Engel als aufstiegsorientierte Mutter des Knechtes Nikita gelingt es mit Lust an der offensiven Bösartigkeit, ihrer Figur die notwendige sachliche Härte zu verleihen und sie gleichzeitig mit einer gewissen Glaubwürdigkeit zu versehen. Neben ihr bleiben die meisten Figuren blasse Oberflächenkonstruktionen. Dass sie am Anfang wie ganz am Ende mit neckischen Masken posieren, kann die fehlende formale Dichte und Geschlossenheit der etwas kraftlosen Inszenierung kaum ausgleichen.

Text: Peter Laudenbach

tip-Bewertung: Zwiespältig

Die Macht der Finsternis Schaubühne, 17.–20.6., 20 Uhr, Karten-Tel. 89 00 23

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