Theater

„Die Marquise von O…“ in der Volksbühne

DieMarquiseVonOMan muss es als einen Akt der Ehrlichkeit würdigen, dass Frank Castorf in seinem neuen, gelangweilt und sichtbar lustlos runterinszenierten Volksbühnen-Fließbandprodukt mit dem Titel „Die Marquise von O…“ den, zumindest an diesem Abend, langweiligsten Schauspieler Berlins namens Sylvester Groth als sein Alter Ego (und in der Rolle des Lorenzo) auftreten lässt.
Fehlende Bühnenpräsenz ersetzt er durch schwer erträgliche Dumpfbacken-Coolness, wenn er als Castorf-Double in einer Kabaretteinlage darüber räsoniert, dass er noch bis 2016, also bis zum Ende von Castorfs Intendanz, an diesem Haus bleiben muss. Was wohl selbstironisch klingen soll, ist leider nur fürchterlich eitel und so peinlich wie all die anderen müde ausgestellten Privatismen und Selbstzitate des einst furiosen Castorf-Stils.

Kleists Novelle „Die Marquise von O.“ erzählt, wie es sich genretypisch gehört, von einer unerhörten Begebenheit: Die Marquise (zum Verlieben: Kathrin Angerer) ist schwanger und weiß nicht, wie das geschehen konnte. Was ihr in einer Ohnmacht im Traum wie die Begegnung mit einem Engel erschien, waren durchaus irdische Freuden. Dieser somnambulen Sexualität setzt Castorf sein Theater der leer laufenden Hysterie und kleinen Ferkeleien entgegen. Vermutlich, um das Publikum zu quälen, ist das nicht nur mit den unvermeidlichen Heiner-Müller-Zitaten, sondern auch mit angemessen schmierig servierten Lindenberg-Songs angereichert. Wenn schon Trash, dann richtig. Bert Neumanns Bühnenbild ist so beliebig wie die gesamte Veranstaltung: eine große rote Neonröhren-Rückwand, ein die Bühnenhöhe füllendes Angerer-Por­trät in Plakatmalerei, ein paar Stilmöbel.

Schauspielerisch zu loben sind neben Frau Angerer die große Ilse Ritter, Marc Hoseman, Frank Büttner und das stoisch über die Bühne schreitende Pferd sowie der Hahn, der bei der Premiere dem in der ersten Reihe sitzenden Kulturstaatssekretär Schmitz keck aufs Knie sprang.    

Text: Peter Laudenbach
Foto: Thomas Aurin
tip-Bewertung: Uninteressant

Die Marquise von O…
Volksbühne, u.a. Fr 16., Sa 24., Fr 6.4., 19.30 Uhr,
Karten-Tel. 24 06 57 77

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