Theater

Die Nibelungen am Deutschen Theater

Nibelungen Bei seiner arg routiniert abgehakten „Nibelungen“-Inszenierung am Deutschen Theater begnügt sich Michael Thalheimer leider mit lauter Äußerlichkeiten und leerlaufenden Pathosformeln. Friedrich Hebbels Germanen-Trilogie zieht sich so zäh dahin, dass man erleichtert aufatmet, als sich die Ritter nach drei öden Stunden endlich massakrieren. Wenn die Darsteller nicht gerade düster vor sich hin brüten, schreien sie mehr oder weniger unmotiviert. Gesprochen wird durchgängig so schnell, oberflächlich und am Text desinteressiert, dass das Geschrei zumindest für Abwechslung sorgt.
Genau wie die mit Effekten auftrumpfende Bühne (Olaf Altmann), zwei bewegliche Platten, die die Darsteller mal zu zerquetschen drohen, mal in die Höhe kippen, ist auch der penetrant eingespielte düstere Soundtrack eine durch nichts eingelöste Pathos-Behauptung: Kraftmeiertheater.

Die Burgunder und Held Siegfried (dumpf: Peter Moltzen) sind zu aufgedunsenen Altro-ckern mit ungepflegten Frisuren mutiert. Ingo Hülsmann fuchtelt als König Gunther aufgekratzt  bis zur unfreiwilligen Komik herum. Sven Lehmann zeichnet Hagen Tronje als mal depressiven, mal spöttischen Intellektuellen.  Natali Seelig macht aus Brunhild eine pubertierende Tochter aus besserem Hause, die gerade ihre Trotzphase hat und ihre Ausbrüche schwer narziss­tisch genießt. Eine Auseinan­dersetzung mit dem Stoff findet nicht statt.                      

Text: Peter Laudenbach
Foto: Arno Declair

(tip-Bewertung: Uninteressant)

Termine: Die Nibelungen
im Deutschen Theater

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