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Operette

„Die Perlen der Cleopatra“ in der Komischen Oper Berlin

Regisseur Barrie Kosky setzt in Oscar Straus’ Die Perlen der Cleopatra auf seinen Star Dagmar Manzel

Foto: Gunnar Geller
Foto: Gunnar Geller

Operette und kein Ende. Ist denn dazu noch Neues zu sagen? Naja. Regisseur Barrie Kosky, dessen „Die Perlen der Cleopatra“ eine Siegesserie in Sachen Berliner Schmäh fortsetzen soll, hat zweifellos eine Glückssträhne. Seine Protagonisten allerdings bleiben sich immer gleich. Neben dem zähnebleckenden, charmant-schamlosen Dominique Horwitz (als Minister Pampylus) handelt es sich um die dem Theater mehr und mehr abhanden kommende, ihren Operettenfrühling auf Sommer, Herbst und Winter ausdehnende Dagmar Manzel (Foto).

Manzel, Heroine der Nachwende-Ära am Deutschen Theater, fremdelte später mit dem DT-Regime. Also baute sie ihren zu Hobbyzwecken freigeräumten Stimm-Dachboden weiter aus. Nach einigen Gesangsvorspielen am Berliner Ensemble und am Hans Otto-Theater fand sie im Narrenkäfig der Komischen Oper eine neue Heimat. Gesanglich geht das gut. Allerdings neigt Manzel auf der großen Musiktheater-Bühne dazu, Gesten zu vergröbern und wild grimassierend ein kleines bisschen, nein: ganz schön heftig zu chargieren. Im Operettengewerbe ist das nichts Ehrenrühriges. Aber es unterbietet die Darstellungskünste, wie man sie von ihr kannte (zuletzt in „Gift“ am Deutschen Theater).

Als görige, backpfeifenderbe Operettendiva gehört Manzel indes zur super raren Spezies eines Publikumslieblings, dem der Wechsel vom Tragischen ins Komische gelang. Jetzt muss sie aufpassen, nicht die Judy Winter oder, noch schlimmer: die singende Katharina Thalbach von der Behrenstraße zu werden.
„Die Perlen der Cleopatra“ von Oscar Straus, uraufgeführt 1923 am Theater an der Wien, waren damals ein Vehikel für die Glamour-Diseuse Fritzi Massary. Bei besagten Perlen handelt es sich nicht um ordinäres Geschmeide. Es sind Liebesperlen: ein den Lüsten der gelangweilten Königin dienendes Aphrodisiakum. Das Land am Nil wird als Verkettung von Lustgrotten, Liebeshöhlen und Freudenhäusern beschrieben. So gesehen, ist es geradezu ein Gebot der political correctness, die Ägypter berlinern zu lassen, dass die Schwarte kracht. Alles andere wäre ein Affront. Und so politisch, wie man sagt, ist die Berliner Operette dann auch wieder nicht.

Komische Oper Berlin Premiere Sa 3.12., Mi 7.12., Sa 10.12., Di 13.12., Do 15.12., 19.30 Uhr, Eintritt 12–79 €

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