Operette

„Die Perlen der Cleopatra“

Mit „Die Perlen der Cleopatra“ kalauert sich Dagmar Manzel liebestoll in den Olymp

„Wenn dich dein Liebster sitzen lässt/halt ihn bei seinen Litzen fest“. Der Mut zur Zote hatte in der Wiener Operette eine etwas längere Inkubationszeit. Oscar Straus’ „Perlen der Cleopatra“, woraus das Zitat stammt, hat mit seinen Schrammel- und Jodel-Einlagen wenig Berlin-Bezug. Trotzdem darf Dagmar Manzel als liebestolle Ägypterin berlinern, dass die Schwarte kracht. Sie lacht über ihre eigenen Witze am lautesten und kalauert sich als „Klo-Petra“ einen Wolf. Trotzdem ist sie diesmal, weniger grimassierend als sonst, so gut, dass von ihrer besten Operettenrolle überhaupt gesprochen werden kann. Vollgültig assistiert von einem zähnebleckenden Dominique Horwitz sowie Dominik Köninger und Horror-Verführer Peter Renz als römischem Feldherr.

Die hauchdünne Handlung (das Werk war 1924 ein Vehikel für Fritzi Massary) wird durch umso größere Ausstattungs- und Tanzwut wettgemacht. Choreograph Otto Pichler muss darauf achten, dass die Männerbusen des Balletts allzeit gut sichtbar bleiben. Victoria Behr verprasst für hinreißend quallenförmige, muppetfarbige Kostüme offenbar einen noch größeren Etat als sonst bei Herbert Fritsch. So ist dies Barrie Koskys opulenteste, unpolitischste, konventionellste, aber auch rundeste Operettenorgie geworden. Ein phosphoreszierend popartiger Unterhaltungs-Selbstzweck. Erinnert ästhetisch an eine radioaktiv gewordene Dalli-Dalli-Dekoration. Mehr ist ernsthaft nicht zu verlangen.

Komische Oper Berlin Do 15.12., Mo 19.12., Mi 21.12., Mi 28.12., Sa 31.12., Fr 20.1., jeweils 19.30 Uhr (außer 31.12.:
19 Uhr) Karten 12 bis 79 Euro

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