Theater

„Die Räuber“ in der Schaubühne Berlin

Die RäuberVor dem Beginn der „Räuber“ in der Schaubühne gibt es bei den Schülern einer Lichtenhagener zehn­ten Klasse gegenüber dem Theater noch Berührungsängste. „Iiiih – den Lappen fass ich nicht an“, mokiert sich eine der 15-Jährigen beim Betreten über die schwarzen Gummi-Lamellen, die im Studio den Saal vom Foyer trennen. Doch für den ersten Theaterbesuch ihres Lebens hätten sich die Jugendlichen keine bessere Inszenierung aussuchen können: Zum einen, weil Schauspieler Lars Eidinger mit Schillers Bühnen-Erstling „Die Räuber“ sein eigenes Debüt als Regisseur gibt. Und weil er das richtig gut machte.
Eidinger (sonst als Hamlet und im „Sommernachtstraum“ gerne mal entblößt auf der Bühne), inszeniert Schillers explosiven Sturm-und-Drang-Kracher mit der Nonchalance und Begeisterungsfähigkeit des Regieneulings: Gekonnt und unterhaltsam knallt er mit einem Ensemble aus Ernst-Busch-Schauspielschülern den Schiller auf die Bretter einer All-in-one-Bühne (Christoph Rufer): Links markiert ein einzelner ab­s­trakt-­eckiger Baum den Wald, in der Mitte steht eine Bierbankgarnitur, rechts symbolisiert die Schaubüh­nen-obligatorische creme­farbene Couch das Schloss des Grafen Moor (einziger Vollprofi: Urs Jucker).
Graf Moor wälzt sich röchelnd dem Tod und der Enttäuschung über seine zerstrittenen Söhne ent­gegen, während die glorreichen sieben von der Abschlussklasse ausgelassen ihre Schiller-Verse schmettern und in Unterhosen mit Pistolen posen. Und wenn das nicht reicht, findet der jugendliche Enthusiasmus an der Karaoke-Maschine sein Ventil. Franz (Sebastian Zimmler) schlüpft zu Michael Jacksons „Bad“ in den väterli­chen Fatsuit – Karl (Tilman Strauß) ruft in Freddy-Mercury-Pose nach „Mama“ und verweigert Freundin Amalia (Birte Schnöink) ein schnul­ziges „Sailing“. So erfrischend furchtlos wie die Inszenierung ist das Spiel seiner glorreichen sieben von der Schauspielschule.

Text: Björn Trautwein

Foto: Heiko Schäfer

Tip-Bewertung: Sehenswert

Die Räuber, Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin-Wilmersdorf, 4.1. + 6.1. um 20 Uhr

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