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„Die Schändung der Lucretia“ im Haus der Berliner Festspiele

Wenn das Schule macht! Lucretia, Gattin eines römischen Generals, tötet sich, weil sie die Schande ihrer Vergewaltigung nicht ertragen kann. Der britische Komponist Benjamin Britten widmete 1946 diesem hübschen, zynischen Plot seine zweite Oper (nach dem Erfolg von „Peter Grimes“). Durchgesetzt hat sich das Werk kaum. Weshalb man es der Deutschen Oper anrechnen muss, dass sie das Werk, während das Stammhaus renoviert wird, in der Ausweichspielstätte im Haus der Berliner Festspiele zeigt. Die Produktion kam bereits 2013 in Glyndebourne heraus, inszeniert hat Fiona Shaw, eine der prominentesten britischen Theaterschauspielerinnen. Die geborene Irin debütierte 2008 als Opern­regisseurin. Da war sie schon berühmt durch die Rolle von Harry Potters schriller Tante Petunia Dursley in den Rowling-Verfilmungen. An der Metropolitan Opera in New York inszenierte sie kürzlich Tschaikowskys „Eugen Onegin“. Als sie mit der Sängerin der Tatjana, Anna Netrebko, durch die Straßen von Manhattan ging, wurde Netrebko nie, sie aber ständig von Passanten erkannt. „Das finde ich vollständig verrückt“, sagt sie. Über die Frage, wie Lucretias Selbst­tötung zu bewerten sei, will sie nicht nachdenken. „Ich würde nie entscheiden wollen, um welche Art von Geschichte es sich handelt. Sondern lieber entdecken, wohin es führt.“ Für ihre Aufführung habe sie zwei Frauen zur Handlung hinzugefügt: eine Prostituierte und eine Tochter. „In Brittens erster Version der Oper hatte Lucretia gleichfalls eine Tochter. Sie bleibt bei uns am Leben.“ Das gebe einem die Möglichkeit, den Fall nicht nur als einen moralischen, sondern als einen menschlichen Vorgang zu beschreiben. „Es ist ein Einfall, auf den ich, ehrlich gesagt, ein wenig stolz bin.“
Gelernt hat Shaw das Handwerk von Peter Stein, bei dem sie 2003 die Arkadina in Tschechows „Möwe“ spielte (in Edinburgh). „Wichtiger war, dass ich davor einige Wochen mit Peter Stein an dem Text gearbeitet habe, in seinem Haus in Italien.“ Während dieser Zeit habe man etwa 90 Mahlzeiten gemeinsam eingenommen. „Dabei hat er mir das ganze abendländische Theater erklärt“, so Shaw.    ?                                                                        
Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Richard Hubert Smith

Haus der Berliner Festspiele Fr 14.11., 19.30 Uhr, So 16.11., 18 Uhr, ?Karten-Tel. 34 38 43 43

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