Theater

„Die schmutzigen Hände“ am Deutschen Theater

DieSchmutzigenHaendec_ArnoDeclairJette Steckel will am DT Jean-Paul Sartres Thesendrama „Die schmutzigen Hände“, uraufgeführt 1948, aus den Archiven der Theater- und Ideologiegeschichte retten. Das ist wagemutig. Der unterm Selbsthass des bürgerlichen Intellektuellen leidende Hugo sucht, wie einst Sartre selbst, Lebenssinn in der Kommunistischen Partei – mehr Patina aus einer versunkenen Zeit geht kaum. Aus Sartres fiktiven Balkan-Illyrien gegen Ende Zweiten Weltkrieges macht die Inszenierung ein zeitloses Nirgendwo, in dem die Figuren zwischen Labyrinthen aus grauen, einander umkreisenden Wänden (Bühne: Florian Lösche) recht verloren um eine Haltung kämpfen, nur um immer wieder in viel zu großen Posen zu landen. Vor allem der zen­trale Konflikt, Hugos bedingungsloser Radikalismus gegen die pragmatische Realpolitik des abgebrühten KP-Funktionärs Hoederer (sehr cool: Ulrich Matthes), läuft leer: Der große Thesen-Showdown zwischen Hugo (etwas verhetzt: Ole Lagerpusch) und Hoederer samt vorgehaltener Pistole ist so diffus und pathetisch wie die zwecks Effektsteigerung darübergelegte Filmmusik. Vom so durch die Zeitläufte entkernten Drama bleiben neben Hugos Überpanntheiten vor allem die Luxusweibchen-Attitüden seiner Freundin Jessica (Katharina Marie Schubert) und ihr Hang zu harten Männern wie Hoederer übrig. Unfreiwillig komisch wird dieses Abrutschen in die boulevardtaugliche Dreiecksgeschichte spätestens, wenn Hugo seiner Verehrung für Hoederer mit einem herzhaften Zungenkuss Ausdruck verleiht.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Annehmbar

Die schmutzigen Hände Deutsches Theater, Sa 4.2., 19.30 Uhr; Mi 8.2., Fr 17.2., Mi 22.2., 20 Uhr, Karten-Tel. 284 41-221

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