• Kultur
  • „Die Schöne Helena“ in der Komischen Oper

Kultur

„Die Schöne Helena“ in der Komischen Oper

Aufgedonnert sind die Inszenierungen von Barrie Kosky immer. Diesmal ruft er zu einem französischen Hinternwackel-Wettbewerb auf. Ein Dutzend juxender Venusfallen, Pigalle-Nummernboys und Lederhosengeschwader sollen die Antikenparodie von Offenbachs „Belle Hйlиne“ zum Leben erwecken. Was nicht leicht ist. Da ihr vertrottelter Ehemann sie nicht mehr befriedigen kann, lässt sich Helena, die „schönste Frau der Welt“, von einem hergelaufenen Schnuckel namens Paris entführen; woraus der Trojanische Krieg entsteht. Die Lachlust mag der Sache auf den Leib geschrieben sein. Wirkt allerdings diesmal ein bisserl einstudiert. Vielleicht liegen kleinere Einschränkungen auch daran, dass man den ganzen Tuntenzauber inzwischen schon recht gut kennt.

Nicole Chevalier mit Champagner-Quasselwasser im Sopran sieht konsequent aus wie Teri Hatcher in „Desperate Housewives“. ­Tansel Akzeybek als ihr Entführer ist ein Tenor von der Stange; sitzt aber wie angegossen auf seiner Helena. Koskys männliche Muse, der Tenor Peter Renz (Menelaus), kann die Pointen sogar vom Rollstuhl aus abfangen. Leider wird die Pause zu spät gemacht. Der Abend ist zu lang.
Neben einem sagenhaft aufgekratzten Ensemble und den von Otto Pichler artgerecht choreografierten Nacktärschen sichert vor allem der bislang verhaltens­unauffällige Dirigent Henrik Nбnбsi den Erfolg des Abends. Das Orchester der Komischen Oper animiert er zu silbrig-seidigem Knusper-Pointillismus. Das hat man so ‚offenbachesk‘ in Berlin lange nicht gehört. Es mögen ein paar zu viele Chansons eingestreut sein („Non, je ne ­regrette rien“) und einige überflüssige Locken auf der Glatze gedreht werden. Als Betriebsspaß eines Ensembles, mit dem Kosky offenbar glänzend klarkommt, macht die Sache trotzdem Spaß. Die Komische Oper verfügt, so denkt man, über das einzige echte Musiktheater-Ensemble in Berlin, das diesen Namen verdient.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

tip-Bewertung:

Die Schöne Helena in der Komischen Oper ?Sa 25.10., Sa 8.11., Sa 15.11., 19.30 Uhr, ?So 23.11., 18 Uhr, Do 11.12., 19.30 Uhr, Mi 31.12., 18 Uhr, Karten-Tel. 47 99 74

Mehr über Cookies erfahren