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„Die Schönheit von Ost-Berlin“ im Deutschen Theater

Als hübschen Kontrapunkt zu den Mauerfall-Festivitäten hat Bastian Kraft in den Kammerspielen des Deutschen Theaters eine Hommage an den schwulen Dichter und politisch leicht verstrahlten Kommunisten Ronald M. Schernikau inszeniert, der kurz vor Mauerfall von West- nach Ost-Berlin gezogen ist und das Ende der DDR wie andere Ideologie-Nostalgiker heftig bedauert hat. Aber Schernikau war kein Stalinist, sondern eine schillernde Diva und – so die aparte Selbsteinschätzung – die „Milva der deutschen Literatur“. Kraft spaltet den Dichter mit den vielen Identitäten in vier Darsteller mit Langhaarperücken und 80er-Jahre-Outfit auf (Wiebke Mollenhauer, Elias Arens, Thorsten Hierse, Bernd Moss), die auf der und um die mit Memorabilien, Sperrmüll, einem Auto und Postern von Heiner Müller bis Monroe zugerümpelten Spielfläche (Bühne: Peter Baur) durch Schernikaus kurzes Leben turnen. Dafür, dass das nicht im harmlosen Tunten-Kabarett endet, sorgt Margit Bendokat als Schernikaus Mutter. Die große Lakonikerin Bendokat erzählt sachlich die nicht besonders glückliche Lebensgeschichte der Mutter zwischen Ost- und Westdeutschland – und die Mutter scheint sich dabei sehr schön immer noch über ihren erstaunlichen Sohn zu wundern.   

Text: Peter Laudenbach

Foto:
Arno Declair

Deutsches Theater ?Kammerspiele Do 27.11., Sa 6.12., Di 16.12., jeweils 19.30 Uhr,?Karten-Tel. 28 44 12 21

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