Theater

„Die sieben Todsünden“ an der Komischen Oper

SiebenTodsuenden_c_MonikaRittershausBarrie Kosky, ab kommender Spielzeit Intendant der Komischen Oper, zeigt mit seiner Inszenierung von Kurt Weills und Bertolt Brechts „Die sieben Todsünden“ schon mal, was demnächst eine kräftige Farbe im Spielplan an seinem Haus sein wird: intelligentes Entertainment, gerne ein bisschen sozialkritisch, aber vor allem eingängig, frech, aber nicht zu sehr.

„Die sieben Todsünden“, uraufgeführt 1933, die letzte gemeinsame Arbeit des seit dem Skandalerfolg der „Dreigroschenoper“ bewährten Librettisten-Komponisten-Duos Brecht/Weill, ursprünglich ein Ballett, ist in seiner Anlage arg didaktisch: Anna soll Geld verdienen, weil ihre Familie ein Haus bauen will. Also teilt sie sich in die pragmatische, marktorientierte Anna, die sich zusammenreißt, jedes Gefühl verbietet und notfalls in einer Striptease-Bude jobbt, und in die andere Anna, die sich den Luxus von Gefühlen, Sehnsüchten und Anstand leistet. Zusammen sind sie „ein Herz und ein Sparkassenbuch“. Ohne die Musik von Kurt Weill würde diese marxistische Fabel von der Entfremdung zwischen Mensch und Marktteilnehmer, die in jedem von uns lauert, ohne zwangsläufig größere Schäden anzurichten, bestenfalls gelangweiltes Gähnen auslösen. Aber die Musik ist toll, auch in der Komischen Oper (musikalische Leitung: Kristiina Poska).

Dagmar Manzel spielt und singt beide Annas mit der Grandezza der Zwanzigerjahre und der Lässigkeit, Ausstrahlungskraft und spielerischen Intelligenz der großen Entertainerin. Brecht-Didaktik? Von wegen. Stattdessen: Große Show, minimalistisch in der Ausstattung auf der weitgehend leeren Bühne, aber um so wirkungsbewusster in den spielerischen und musikalischen Mitteln. Dass Manzel ab und zu sehr massiv grimassiert, ins Überdeutliche rutscht, jede Regung etwas zu plakativ durchbuchstabiert, ist schade, aber auch kein Desaster. So unterhaltsam goutierbar war Entfremdungskritik selten.    

Text: Peter Laudenbach
Foto: Monika Rittershaus
tip-Bewertung: Sehenswert

Die sieben Todsünden
Komische Oper, Mi 13.6. + Mo 2.7., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 47 99 74 00

Mehr über Cookies erfahren