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„Die Soldaten“ an der Komischen Oper

Die Soldaten

Seit seinem legendären, blutspritzender „Entführung aus dem Serail“ (2004), hat Calixto Bieito ein besonderes Kunststück fertiggebracht: Man ist eigentlich eher dankbar, wenn es nicht noch brutaler wird. Das ist hier der Fall. Zwischen gelben Turnhallen-Klettergerüsten am Rande soldatischer Trinkgelage wird nur kurz mal jemand stranguliert und ausgepeitscht. Über Video-Leinwände spaziert eine Ratte.
Die einzige Oper von Bernd Alois Zimmermann ist selber so gewalttätig, dass es keine Bilder-Verdoppelung braucht. „Die Soldaten“, eine der großen Zwölfton-Opern des 20. Jahrhunderts, erzählt keine Geschichte, sondern das Leben von Soldaten innerhalb der Zwangssituation, in der sie stecken.
Diverse Simultanszenen (nach dem großen Sturm-und-Drang-Drama von Jakob Michael Reinhold Lenz) kreisen um den Niedergang der Soldatenbraut Marie. Nicht wirklich eine Kriegsoper, weil ohne Schlachtengetümmel. Die anfänglich für unaufführbar gehaltene Oper wurde vom Komponisten 1965 für sieben simultan agierende Dirigenten vorgesehen. Erst Michael Gielen zog damals die Notenstriche durch und arrangierte den Ton-Wust so, dass ihn ein Dirigent alleine bewältigen kann.
Auf sieben Emporen sitzt das Orchester der Komischen Oper direkt auf der Bühne. Dirigent Gabriel Feltz ist zwei Mal an diesem Abend dermaßen durchgeschwitzt, dass man unter ihm aufwischen muss. Dabei gelingt es ihm, zwischen säuselndem Kanzonetten-Ton, wilden Jazz-Nummern und einem Orchester-Rave sondergleichen die Partitur immer noch transparent erscheinen zu lassen.
Susanne Elmark singt die Marie mit der Stimme eines lyrischen Feuermelders. Formidabel! Ausgezeichnet auch Tom Erik Lie als giftmischender Stolzius und Günter Papendells heiratswilliger Offizier Mary. Noëmi Nadelmann, früher an allen drei Berliner Opernhäusern vertreten, gestaltet die biestige Gräfin nach dem Motto: Joan Collins ist wieder da!
Mit der Aufführung kehrt ein inzwischen allgemein wiederentdecktes Meisterwerk fulminant nach Berlin zurück. Wo es schon einmal vor 30 Jahren in einer berühmten Neuenfels-Produktion zu sehen war. Fraglos ein Höhepunkt der Saison!   

Text: klk

Foto: Monika Rittershaus

tip-Bewertung: Sehenswert

Komische Oper Behrenstraße 55, Mitte, Di 01.07., ?Mi 09.07., 19.30 Uhr, ?Karten-Tel. 47 99 74 00

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