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Die Tanznacht Berlin „The Village“ in den Ufastudios

Tanznacht2… und sich von Moderatoren Gayle Tufts oder Katja Riemann durch den Abend begleiten ließ. Nach und nach wurde die Tanznacht zu einem kleinen Festival. Und seit vor zwei Jahren der Kurator Peter Stamer kam, ist sowieso alles noch mal anders. Die Ufer-Studios im Wedding, mittlerweile großartig zum Produktions- und Aufführungsort der Berliner Tanzszene umgebaut und eingeweiht, waren 2008 noch leere, große Industriehallen, die Stamer und die Künstler grandios bespielten. Campingwagen wurden aufgestellt, eine ziemlich coole Bar eingerichtet, künstliche Wiesen ausgerollt. Die Tanznacht wurde zum Rundum-Event – unter anderem konnte man in einigen der Campingwagen übernachten, sich dort aber auch die Haare schneiden lassen, Filme gucken oder an Diskussionen teilnehmen.

Jetzt geht alles noch einen Schritt weiter. Die Tanznacht Berlin – ursprünglich einmal als eine Art Tanzmesse geplant, zu der viele Veranstalter von außen kommen, möglichst viele Gruppen besichtigen und für ihre eigenen Theater oder Festivals „einkaufen“ sollten – findet nämlich 2010 ganz ohne die Präsentation von Stücken statt. Stattdessen logieren 25 Künstler seit dem 1. November in drei Räumen der Uferstudios. Es geht bei der Tanznacht 2010 nicht mehr um optimale Vermarktung, sondern um den Austausch und das kollektive Arbeiten. Um schon von Anfang an möglichst offen vorzugehen, lud Stamer acht Tanzkünstler zur Teilnahme ein, die wiederum jeweils zwei weitere Tänzer und Choreografen dazu baten. Gemeinsam sind die 25 jetzt „The Village“. Sie arbeiten in den Uferstudios, essen gemeinsam, und einige schlafen auch dort. Im großen Studio liegen ein paar Matratzen auf dem Boden, über Stühlen hängen Kleiderstücke, in einer Ecke stapelt sich The­ater-Schnickschnack. Im Vorraum ist die Bar zur Küche umfunktioniert.

TanznachtMittags gibt es Essen, Rote-Bete-Rohkost oder Wirsing-Soja-Gemüse. Aber noch sitzen die Tänzer nebenan auf dem Boden und schauen gelassen Ami Garmon und Jared Gradinger zu, die ihre Körper im gleichen Rhythmus hin und her wippen, dabei immer schneller, feiner, vibrierender werden. „Wir besprechen auf unseren Versammlungen, was wir im Laufe des Tages tun wollen“, erklärt Peter Stamer, der sich seit dem Start des Projekts nicht mehr als Kurator, sondern als einer der Teilnehmer versteht. Drei Termine stehen derzeit im Tanz-Village fest. Auf einer Pinnwand ist alles Weitere festgehalten. Morgens gibt es ein Aufwärmtraining, mittags Essen und abends Chor. Was am Ende, nach fünf gemeinsamen Wochen bei der Tanznacht stattfinden soll, weiß im Moment noch keiner. Nur darauf haben sich die Teilnehmer bereits verständigt: „The Village“ wird im Lauf von vier Tagen insgesamt 24 Stunden geöffnet sein. In jeweils in sechs Stunden eingeteilten Phasen, die „Der Vormittag“, „Der Nachmittag“, „Der Abend“ und „Die Nacht“ heißen, können die Besucher selbst zu Village-Bewohnern auf Zeit werden. Sie können am Morgentraining teilnehmen, am Mittagessen oder am Abendchor und im Verlauf der vier Tage einen Einblick in das merkwürdige Schaffen im Choreografen-Dorf gewinnen. Vielleicht wird nachts, in der Sequenz, die von zwei Uhr bis acht Uhr morgens dauert, ein Film geschaut, und die Tänzer können dann ihr Zusehen choreografieren.

So, wie es in der ersten Woche eher zufällig geschehen ist, als alle schon auf ihren Matratzen lagen und zu später Stunde gemeinsam den Mystery-Thriller „The Vil­lage“ schauten, sich gut amüsierten oder vor Schrecken aufrecht saßen. So schräg das auch klingen mag, beliebig werden die vier Tanznacht-Sequenzen nicht werden. Dazu wird zu intensiv gearbeitet. Die Tänzer und Choreografen, zu denen unter anderem Hanna Hegenscheidt und Angela Schubot, Lisa Densem, Hyoung-Min Kim, Günther Wilhem, Ulrich Huhn und Clint Lutes gehören, werden das Geschehen und damit sich selbst eher in eine Art verrückter Dauer-Performance-Installation verwandeln.

Text: Michaela Schlagenwerth

Foto: Jared Gradlinger

Die Tanznacht Berlin „The Village“ in den Uferstudios vom 2. bis 5. Dezember, Karten auf www.reservix.de

Termine: 2.12., 20.00–2.00 – Der Abend, 3.12., 8.00–14.00 – Der Vormittag, 4.12., 2.00–8.00 – Die Nacht, 5.12., 14.00–20.00 – Der Nachmittag

 

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