Kommentar

„Die Theater-Kennerin“ von Peter Laudenbach

Ein Grund, öfter neidisch nach Hamburg und auf seine Kultur­politik zu blicken, war in den letzten Jahren Barbara Kisseler, seit 2011 Hamburgs Kultursenatorin

Peter Laudenbach

Als sie noch in Berlin war (erst als Kulturstaatsekretärin, dann als Leiterin der Senatskanzlei), sah man sie praktisch in jeder wichtigen Theaterpremiere – und man sah ihr an, wie hellwach sie ­zusah, sich über schöne ­Inszenierungen freute und sich bei missratenen Aufführungen ­ärgerte oder langweilte.
Kaum zu glauben, dass es so ­etwas Erstaunliches einmal gab in Berlin: eine verantwortliche Kulturpolitikerin, der das Theater und die Künste etwas bedeuten, und die weiß, wovon sie redet, wenn sie von Theater spricht. Eine seriöse Kulturstaatsekretärin, die sehr offen und neugierig auf neue Kunst war und voller Respekt mit den Künstlern umging. Der Respekt war gegenseitig.
Das Vertrauen, das Barbara Kisseler bei Theaterleuten genoss, war groß – so groß, dass sie als erste Kulturpolitikerin überhaupt vor einem Jahr an die Spitze des Deutschen Bühnenvereins gewählt wurde. Wenn man sich angesichts des noch amtierenden Berliner Kulturstaatsekretär-Selbstdarstellers, der sich mit jeder öffentlichen Äußerung ­blamiert, etwas hätte wünschen dürfen – es wäre gewesen, dass Barbara Kisseler ihn schnellstmöglich ablöst.
Anfang Oktober ist Barbara Kisseler im Alter von 67 Jahre nach langer, schwerer Krankheit in Hamburg gestorben.

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