Theater

„Die Überflüssigen“ im Gorki Theater

DieUeberfluessigenEinen „Western nach wahren Begebenheiten“ nennt Philipp Löhle sein neues Stück „Die Überflüssigen“, dessen Uraufführung Dominic Friedel jetzt im Studio des Maxim Gorki Theaters inszeniert hat. Wir sind irgendwo im ostdeutdeutschen Niemandsland der Wendverlierer, die es sich in einem von Gott und der Marktwirtschaft verlassenen Kaff namens „Lükke“ gemütlich machen.

Mit seinem Stücktitel knüpft Löhle an die soziologische Großdebatte um sozialen Ausschluss an: die entscheidende Demarkationslinie verläuft nicht mehr zwischen oben und unten, arm und reich, sondern zwischen denen, die drin sind in den gesellschaftlichen Austauschprozessen, und denen, für die der Arbeitsmarkt keine Verwendung hat. Die müssen leider draußen bleiben und werden mit Transferzahlungen still gestellt. Soziologen sprechen von Exklusion versus Inklusion.
Sympathischerweise verzichtet Löhle auf den theaterüblichen Sozialkitsch. Er zeichnet seine mürrischen Provinzler nicht als derangierte Opfer der Verhältnisse, sondern gibt ihnen eine etwas dumpfe Würde. Dafür, was in der großen weiten Welt jenseits ihres Tristesse-Biotops geschieht, interessieren sich Ellen (Ninja Stangenberg), Chris und Uwe (Gunnar Teuber) schlicht nicht. Aufstiegsehrgeiz ist ihnen fremd.

Als ein Anzugträger namens Eddi Spaghetti (Robert Kuchenbuch) in Lükke aus dem Regiolnalexpress steigt, kommt Unruhe auf. Eddi war mal einer von ihnen, er hat es in der Ferne zum Marketingfuzzi gebracht und jetzt sucht er seine Wurzeln. Dummerweise hat er so lustige Ideen wie die, den Fremdenverkehr anzukurbeln, auf dass Wohlstand, Arbeitsplätze und die Freuden der Marktwirtschaft ins Kaff einziehen mögen. Das kann nicht gut gehen. Auch wenn die Figuren nicht frei von Klischees sind und die Dialoge gelegentlich etwas holpern, ist Löhles melancholische Komödie sympathisch unprätentiös.  Dominic Friedel hat das unverschnökelt und ohne übertriebenes Kunstwollen inszeniert.    

Text: Peter Laudenbach
Foto: Thomas Aurin

(tip-Bewertung: Zwiespältig)

Termine: Die Überflüssigen
im Gorki Studio, z.B. Mi. 23.6., 20:15 Uhr

KURZINTERVIEW MIT PHILIPP LÖHLE ÜBER DIE ÜBERFLÜSSIGEN

 

weitere Rezensionen:

MADE IN NEUKÖLLN

Mehr über Cookies erfahren