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Tanz

„Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ im HAU 1

Die Sehnsucht ist groß: Anne Teresa De Keersmaeker erkundet „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ als konzentriertes Kammerspiel

Foto: Herman Sorgeloos

„Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ ist ein rauschhafter, erotisch aufgeladener Text. Politisch korrekt sind diese Skizzen vom Weg in die Schlacht nicht, die Rainer Maria Rilke am Vorabend des Ersten Weltkriegs geschrieben hat – ein Prosagedicht, in dem er sich den Tod auf dem Schlachtfeld (natürlich nach der Liebesnacht mit einer Gräfin) eines vielleicht echten, vielleicht fiktiven entfernten Verwandten aus dem 17. Jahrhundert ausmalt: „Reiten, reiten, reiten, durch den Tag, durch die Nacht, durch den Tag (…) und der Mut ist müde geworden und die Sehnsucht ist groß.“
Das lange Zeit populärste Werk Rilkes ist eines der Lieblingsbücher der belgischen Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker, eine Ikone des modernen Tanzes. Mit ihrer Compagnie Rosas und ihren bildgewaltigen, umwerfenden Großmeister-Inszenierungen ist sie seit vielen  Jahren Stammgast im HAU und beim Festival Tanz im August.
Jetzt widmet sie Rilkes Prosagedicht ein ganzes Tanzstück, aber diesmal nicht in Rosas-Pracht, sondern als konzentriertes Kammerspiel. Die Choreografin tanzt selbst, ihre Partner sind der Tänzer Michaël Pomero und die Flötistin Chryssi Dimitriou, die mit Musik von Salvatore Sciarrino den Gang durch Rilkes Kriegs-Fiebertraum begleitet.
Natürlich ist das auch eine Versuchsanordnung darüber, was die Körper, die tanzen, und die Körper, die einander töten oder lieben, verbindet. Und natürlich ist es unvermeidlich auch eine Reflexion über das Medium Tanz.
„Seit Langem spüre ich den Ursprüngen der Bewegung in unserem Körper nach“, sagt Anne Teresa De Keersmaeker selbst über diese Fragestellung. „Noch mehr als das Gehen stellt die Atmung eines der elementarsten, lebensspendenden Muster der Bewegung dar.“
Für die Choreografin knüpft das unmittelbar an die Raffinesse von Rilkes Weise von Liebe und Tod an: „Mir geht es darum, den Zwischenraum zu erkunden, den Rilkes Text eröffnet; die subtilen Nuancen zwischen Atmen, Sprechen und Singen, dem Männlichen und dem Weiblichen, Lyrik und Prosa.“

HAU 1 Mi 8.3. – Sa 11.3., 19 Uhr, So 12.3., 17 Uhr, Eintritt 11–33 €

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