Theater

„Die Zauberflöte“ im Strandbad Wannsee

Foto: Frank_Hoensch_bildbuehne.de„Eigentlich wollt’ ich ja Schlauchboot fahr’n aufm Wannsee“, sagt der mehr kalauernde als singende Guntbert Warns als Papageno in Katharina Thalbachs Inszenierung von Mozarts „Zauberflöte“ am Wannsee. Man hat ihm ein Schlauchboot um den Bauch gebunden. Die „Zauberflöte“ auf hoher See: Wannseeungeheuer aus Pappe, Wellen aus Pappe, Badenixen in gestreiften Badeanzügen, infantile Matrosenkluft, Frösche und Pinguine. Die ganz große Welle auf schwimmender Bühne auf dem Wannsee durfte Peter Schwenkows DEAG aber nicht machen, behördliche Aufsicht war dagegen. Jetzt ist die „Zauberflöte“ im Strandbad gestrandet. Ein Spektakel ist es nicht, eher die Ruine eines Spektakels. Mit einem Kran in große Höhe gehoben wird Chelsey Schill als Königin der Nacht, weit ausladend ist ihr schwarzes Kostüm, ihr Gesang zum Ausgleich der Höhenangst aber ziemlich flach. Andreas Hörl brummt als Sarastro unsäglich mahnend wie der Papst, sehr solide dafür Musa Nkuna als Tamino und Sophie Klußmann als Pamina glasklar und schön.

Die Musik scheint im Vergleich zum Schlauchbootfahren ohnehin nicht übermäßig wichtig. Sie ist eher ein maschineller Ablauf. Sicherlich auch dadurch bedingt, dass das Orchester, die Kammerakademie Potsdam unter der Leitung von Judith Kubitz, in einem Zelt untergebracht ist. Den Klang bestimmt die Übertragungsanlage. Vor der Pause blechern, danach zunächst matschig, dann zunehmend grell. Zusätzlich werden Heavy Metal, Filmmusikzitate, Naturgeräusche vom Band eingespielt. Natürlich zeigt die Inszenierung nicht die geringste Absicht, irgendetwas mit Kunst zu tun zu haben. Auch auf Sinn hat sie weitgehend verzichtet, von einer durchgehenden zotigen Sexualisierung einmal abgesehen: Zauberflöten und Glockenspiele und ein Vogelhändler, der vom Vögeln spricht. Thalbach macht, was sie am besten kann: milde versautes Boulevardtheater. Man bekommt eher einen wirren Ablauf zotiger Sketche als eine durchkonzipierte Operninszenierung, die Zeit war offensichtlich knapp. Aber das macht nichts: Angeblich waren vor der Premiere schon gut 29?000 Karten verkauft.

Text: Andreas Hahn

Foto: Frank Hoensch / bildbuehne.de

tip-Bewertung: Uninteressant

Die Zauberflöte Strandbad Wannsee, Wannseebadweg 25, 18., 21., 24., 25., 28.8., 18.30 Uhr, 19., 20., 27.8., 19.30 Uhr
www.seefestspiele-berlin.de Karten-Tel. 01805-57 00 70

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