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Dominique Horwitz in der Operette „Die Bajadere“

Dominique_Horwitz_c_AnnaHorwitzHerr Horwitz, Sie gastieren in der Komischen Oper in der konzertanten Aufführung der Operette „Die Bajadere“.  Operetten haben heute ein leichtes Mottenkugel-Image, oder?
DOMINIQUE HORWITZ
„Nicht, wenn ich mitspiele!“, könnte ich antworten. Ich habe keine Operetten-Erfahrung und stamme aus einer Zeit, wo wir noch ernsthafte Schauspieler sein mussten. Wir waren so ernsthaft, dass wir zum Lachen in die Kantine gingen.

Operette war nicht en vogue?
Nein, und das hat sich bis heute nicht geändert. Schade drum, denn der Spaß, den wir damals nur in der Kantine hatten, ist mittlerweile auch verblasst. Ich fand es immer schade, dass wir Theater nicht so erleben können wie in England, wo man heute „Sunset Boulevard“, morgen „Hamlet“ und übermorgen „Die Mausefalle“ spielt.

Warum?
Es ist psychisch ungesund. Alles wird zu bedeutungsvoll, wenn man nur ernsthafte Sachen macht. Deswegen mache ich gerne mal etwas anderes. Barrie Kosky richtet an der Komischen Oper die konzertante Aufführung der „Bajadere“ sogar selber ein. Er hats zur Chefsache gemacht. Richtig so!

Ist Ihre Rolle Pimprinette für Sie vergrößert worden?
Ja, es handelt es sich eigentlich um den Chef der Pariser Claque, der als Conferencier durch den ganzen Abend führt. Das wenige, was ich singe, wird meine gesanglichen Schwächen schlagartig offenbaren. Trotzdem macht mir das Spaß. Ich wollte immer das tun, was ich nicht kann. Ich habe Musik gemacht, ohne Musiker zu sein, und bin dadurch Musiker geworden. Ich habe angefangen Regie zu führen, ohne Regisseur zu sein.  

Warum jetzt gerade Emmerich Kбlmбns angestaubte „Bajadere“?
Die Geschichte ist keinesfalls angestaubt und außerdem werde ich Ihnen etwas verraten: Künstler sind buchbar. Die Komische Oper zeichnet sich durch große Ernsthaftigkeit aus. Sie macht die Vorschläge. Ich gebe nur den Senf dazu.

Ihr Charlotte-von-Mahlsdorf-Abend im ­Renaissance Theater ist fünf Jahre her. Ist das Ihr Bühnen-Comeback?
Keineswegs. Ich habe danach „Wie es so läuft“ von Neil LaBute und „Rot“ über den Maler Mark Rothko gespielt. Der Eindruck, dass ich nur wenige Programme mache, liegt daran, dass ich oft zu denselben Themen zurückkehre. Mein Jacques-Brel-Abend, mit dem ich kürzlich in Berlin aufgetreten bin, war neu! Nur war es bereits mein dritter Brel-Abend, und zwar einer, auf den ich richtig stolz bin. Im Januar werde ich ihn wieder im Tipi aufführen. Anschließend mache ich ein Solo mit dem „Freischütz“ und dem „Black Rider“ von Tom Waits. Wieder dort.

Warum kehren Sie ständig zu früheren Themen zurück?
Aus Unzufriedenheit.

Warum so selbstkritisch?
Weil ich glaube, dass man sich viel zu oft von seiner Selbstzufriedenheit leiten lässt.Mir geht es darum, auch in der Arbeit meinen inneren Frieden zu finden. Das dauert.

Sie wohnen in Thüringen in der Nähe von Weimar. Naive Frage: Ist das nicht eine No-go-Area?
Die Braunen gibts, so wie es sie auch anderswo gibt. Aber es ist gottlob nicht so, dass Weimar eine Nazi-Ecke wäre. Vor zehn Jahren habe ich dort während der Dreharbeiten zu dem Film „Blindgänger“ meine Frau in ihrem Restaurant „Anno 1900“ kennengelernt. Erst kam ich mit der Crew. Dann alleine. Dann bin ich ganz geblieben. 

Interview: Kai Luehrs-Kaiser
Foto: Anna Horwitz

Die Bajadere
in der Komischen Oper,
So 23.12., 19 Uhr,
Karten-Tel. 47 99 74 00

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