Theater

„Don Giovanni“ an der Komischen Oper

Don Giovanni

Man kann Mozarts Lüstlings-Oper „Don Giovanni“ kulturpessimistisch verstehen. Dann ist der Serienfrauenflachleger ein verzweifelter Hedonist, der manisch Melancholie und Ennui kompensieren will. Oder man versucht es mit der sozialkritischen Lektüre. Dann ist der Adlige ein Vergewaltiger, der Frauen aus niedrigen Ständen für die schnelle Triebabfuhr missbraucht.
Für Herbert Fritsch, der das Theater mit Übermut, guter Laune und Hochrasanzvirtuosität aus sämtlichen Tiefsinnsfallen befreien will, ist die Oper vor allem eine Komödie aus der Tradition der Commedia dell’Arte. Statt einer verschatteten Figurenpsychologie nimmt er lieber die Genrebezeichnung eines Dramma giocoso ernst. Fritsch bedient gekonnt Slapstick, Unterleibskalauer und Mantel-und-Degen-Scherze, bleibt aber verglichen mit seinen überdrehten Schauspielinszenierungen relativ konventionell. Hier treten keine komplizierten Charaktere, sondern weiß und grell geschminkte Spielfiguren wie im hochtourig laufenden Räderwerk einer Rokoko-Spieluhr auf.
Victoria Behrs knallbunte Kostüme schließen Pop und wallende Rüschen-Übertreibungen aus dem Historienfundus kurz. Günter Papendell im Joker-Outfit wie aus einem Batman-Film leiht seinem Don Giovanni kräftige Stimme und männliche Eitelkeit, Erika Roos schenkt ihrer Donna Anna den tollen Charme einer Wuchtbrumme. Die Gute-Laune-Inszenierung des Monats.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Monika Rittershaus

Don Giovanni, Komische Oper, ?Karten-Tel. 47 99 74 00

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