Theater

„Don’t move“ im Ballhaus Naunynstraße

DontMoveDreißigmal hatten sie den „Othello“ schon gespielt in Teheran, alles schien in Ordnung. Die Zensur hatte die Inszenierung abgenickt, der Erfolg beim Publikum war gewaltig. Aber dann wurde die Inszenierung von einem Tag auf den anderen abgesetzt. Die Schauspieler bewegten sich zu viel in dieser Arbeit, ja, man konnte die ganze Sache geradezu als Tanztheater bezeichnen – und Tanz ist im Iran absolut verboten. Die in Deutschland lebende iranische Tänzerin und Choreografin Modjgan Hashemian war ihre Tänzer los. Denn die Beteiligung an einer weiteren Tanzproduktion war für ihre im Iran lebenden Kollegen zu riskant. Jetzt hat Hashemians neues Stück „Don’t move“ im Ballhaus Naunynstraße Premiere. Drei andere, aktuell weniger bedrohte iranische Tänzer – natürlich dürfen sie sich so im Iran nicht nennen – sind auf Videos zu sehen. Drei weitere, in Deutschland lebende Tänzer spielen auf der Bühne mit. Warum wollen Menschen überhaupt professionelle Tänzer sein, obwohl es streng verboten ist zu tanzen? Was ist das überhaupt für eine Gesellschaft, die das Tanzen verbietet? Das sind die Fragen, die Hashemian in „Don’t move“ umtreiben.

Modjgan Hashemian selbst war acht Jahre alt, als ihre Eltern vor dem islamistischen Regime nach Deutschland flohen. Vor zwei Jahren ist ihr erstes Stück zum Thema entstanden, „Move in Patterns“, ebenfalls im Ballhaus uraufgeführt, für das die heute 36-Jährige erstmals in ihre frühere Heimat zurückgekehrt war. Seitdem war sie häufig dort. Gemeinsam mit der Dramaturgin Susanne Vincenz hat sie für „Don’t move“ das Land bereist, Stücke besucht, die als Theater annonciert und als „rhythmische Bewegung“ verbrämt, Tanz zeigten. Viele iranische Tänzer arbeiten überhaupt nur für sich selbst und zeigen ihre Stücke im Wohnzimmer für ein paar Freunde. Was erlaubt und was verboten ist, ändert sich ständig. „Unter Schleiern versteckt wird der Körper zum Ding“, sagt eine der Protagonistinnen in „Don’t move“. Für sie ist das Tanzverbot das Sinnbild schlechthin für eine erstarrte Gesellschaft.

Text: Michaela Schlagenwerth

Foto: Isabel Robson

Don’t move
Ballhaus Naunynstraße: 18., 20.–22., 24.–26., 28.–30.3., 20 Uhr, Karten: 75 45 37 25

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