Theater

Dornröschen in der Deutschen Oper

Dornröschen

Ein „Königreich der Schönheit“ hatte Nacho Duato versprochen. Das Marzipan-Bühnenbild mit Pfauenauge, Lakritz-Laubnetzen und rosa Röschen-Applikationen (Angelina Atlagic) kann er nicht damit gemeint haben. Stattdessen weiß Duato die Tugenden seiner Tänzer gut heraus-zustellen. Die winzige Iana Salenko als Prinzessin Aurora erinnert mit Riesenmund und maschinenhaft regelmäßigen Mäuseschrittchen an die junge Shirley MacLaine. Die böse Zauberin Carabosse (Ri-shat Yulbarisov in Drag): ganz Glitzerschultern.
Als König und Königin präsidieren Alt-Stars Michael Banzhaf und Beatrice Knop einem Prozedere, das man insgesamt konservativ nennen darf. Man muss lachen, dass der Held (springfreudig: Leonid Sarafanov) noch immer am Tragen eines gepolsterten Suspensoriums zu erkennen ist. Und dass das Orchester unter Robert Reimer klingt wie hinter einer Gazedecke. Wie im Klischee vorgesehen.
Nacho Duato führt sich hier in Gestalt einer Wiederaufnahme aus St. Petersburg bei uns ein. Zwar galt auch das bisherige Staatsballett nicht eben als Jungbrunnen tänzerischer Innovation. Vladimir Malakhov aber, der Vorgänger, konnte sich immerhin selbst jederzeit in die Wagschale setzen und kleidsam die Beine übereinanderschlagen. Das Corps de Ballet – in Gestalt guter Solisten – mag in noch so verheißungsvoller Verfassung sein. Die Produktion ist, gehüpft wie gesprungen, hinterm Mond.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Yan Revazov 

Dornröschen, Staatsballett in der Deutschen Oper. Fr 6.3., 19.30 Uhr, So 15.3., 18 Uhr, Fr 3.4., 15 Uhr u. 19.30 Uhr, ?Mo 6.4., 18 Uhr, Karten-Tel. 206 09 26 30

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