Jugendtheater-Oper

„Drei Milliarden Schwestern“ an der Volksbühne

Morgen bringe ich mich endlich um: „Drei Milliarden Schwestern“ warten sehnsüchtig auf die Apokalypse und singen dazu

Foto: Thomas Aurin

Dafür, dass es sich bei diesem Abend um eine Inszenierung von P 14, dem Jugendtheater der Volksbühne, handelt, haben wir es mit einer Aufführung von erfrischend negativer Weltsicht zu tun. In einem Akt der schönsten Vermessenheit erobern die Performerinnen des Jugendtheaters die große Bühne, gegeben wird eine Opernparodie mit schön schrägen italienischen Gesangseinlagen. Dass die Operpassagen, begleitet vom munter aufspielenden Jugendsinfonieorchester Berlin, bei der Gesangstechnik eher halbgekonnt, dafür mit größter Souveränität und dem Mut zum verrutschten Ton dargeboten werden, entwickelt enormen Charme. Das böse, lustige Stück des 31 Jahre jungen und offenbar ziemlich smarten Autors und Regisseurs Bonn Park dockt lose an Tschechows „Drei Schwestern“ an, nur dass es jetzt „Drei Milliarden Schwestern“ sind – und dass die Schwestern sich aus Lebensüberdruss anders, als bei Tschechow, nicht nach Moskau sehnen, sondern es nicht erwarten können, bis der Komet, der seit Jahren auf die Erde zurast, endlich einschlägt und alles Leben auslöscht. Rumms! Wird ja auch Zeit. Bis es soweit ist, füllen sie ihre Zeit unter anderem mit der Pflege ihres Video-Channels und der Versicherung an ihre Follower, dass sie morgen ganz bestimmt Selbstmord begehen werden – ein Like dafür wäre schön! Dazu tanzen die P 14-Performerinnen in aberwitzigen Science-Fiction-Kostümen über die Bühne wie in einem besseren Fritsch-Abend. Wenn das die Zukunft des Theaters im allgemeinen und der Volksbühne im besonderen sein soll, muss man sich keine Sorgen machen und kann den im Prinzip überfälligen Welt- wie Theateruntergang gerne noch mal um ein paar Jahre verschieben.

Volksbühne Di 27.11., Do 20.12., 19.30 Uhr, Karten 14 €

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