Theater

„Dritte Generation“ in der Schaubühne

Dritte_GenerationGleich zum Einstieg zieht die Regisseurin den Peinlichkeits-Level bis zum Anschlag an, wenn ein junger deutscher Schauspieler (sehr komisch: Niels Bormann) seinem jüdischen Kollegen Ishay Golan mit seiner übergriffigen Ankumpelei auf die Nerven: „Bei Dir Ishay möchte ich mich persönlich noch einmal entschuldigen. Dein Großvater ist im elektrischen Zaun von Sachsenhausen zu Tode gekommen. Entschuldigung, das tut mir wirklich leid.“ Ishays entnervte Reaktion („Forget about it!“) löst bei dem guten Deutschen einen freudigen Stoßseufzer der Erleichterung aus: „Wenn es doch immer so einfach wäre.“ Dann macht er weiter mit seiner von keinem Taktgefühl angekränkelten Entschuldigungs­suada – „und bei Mohammed und Yusuf möchte ich mich ganz besonders entschuldigen für den KitKat-Club in Berlin. Das ist nicht Deutschland“. Was Niels Bormann hier so komisch wie gruselig vorführt, ist die von keinem Gedanken gestörte Betroffenheitskultur, die das Gedenken an die Opfer in aller Obszönität für die eigene Eitelkeit benutzt.

Nach diesem Einstieg kann es nur peinlich weitergehen, und das tut es dann auch. Zum Beispiel, wenn Fragen nach deutscher, jüdischer und arabischer Identität anhand der Unterschiede zwischen beschnittenen und nicht beschnittenen männlichen Genitalien diskutiert werden. Die Inszenierung ist so komisch wie böse – und sie erzählt hinter der Komik davon, wie die Schrecken des Holocausts noch in der dritten Generation nach Auschwitz fortwirken.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Falk Wenzel

Dritte Generation, Schaubühne, Kurfürstendamm 153, Wilmersdorf, Fr 3., Sa 4.4., 20.30 Uhr

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