Theater

„Drugs kept me alive“ bei Tanz im August 2012

Drugs_kept_me_aliveDer Amerikaner Antony Rizzi, 47, war für zwei Jahrzehnte einer der wichtigsten Tänzer in der Frankfurter Ballettcompagnie von William Forsythe – als begnadeter Tänzer und fantastischer, verrückter Irrwisch. Seit zwölf Jahren entwickelt er vorwiegend seine eigenen Stücke.  Zum Tanz im August kommt er mit Jan Fabres Inszenierung „Drugs kept me alive“. Wir haben ihn angerufen.  

Hallo Herr Rizzi, ist Ihr neues Stück „Drugs kept me alive“ so drogenaffin wie der Titel?
Antony Rizzy Das Stück ist voller Humor, aber es ist auch sehr poetisch. Ich kann das sagen, denn es ist ja nicht meine Inszenierung, es ist die von Jan Fabre.

Jan Fabre hat das Stück inszeniert, aber er hat es für Sie entwickelt. Handelt „Drugs kept me alive“ von Ihrem Leben?
Ja, es ist ein Stück über mich, darüber, wie ich mein Leben lebe. Und okay, es geht auch um Drogen, ich habe wohl ab und zu welche genommen. Aber das ist nur ein Teil. Insgesamt geht es in diesem Stück mehr darum, wie man aus schlechten Situationen gute machen kann.

Und wie schafft man das?
Ich sage mal so, wenn man bei Medikamenten den Beipackzettel mit den ganzen Nebenwirkungen liest, dann fühlt man sich nicht besser, wenn man sie nimmt, sondern eher noch schwächer. So eine Art von Leben interessiert mich nicht. Mich interessiert grundsätzlich nicht, was ich nicht tun kann, sondern dass, was ich kann. Das gilt auch jetzt, wo ich als Tänzer älter werde, wo die physische Energie geringer wird.

Ist es nicht merkwürdig, das eigene Leben auf der Bühne nachzuspielen? So, wie es jemand anders für einen aufgeschrieben hat?
Ha, das haben mich in Slowenien auch ein paar Zuschauer gefragt. Aber ich finde daran gar nichts merkwürdig. Meine eigenen Stücke erzählen auch alle von mir und meinem Leben. Na ja, das wissen die Leute nicht. Ich bin eben nicht so berühmt wie Jan Fabre. Es ist für mich sehr schön, dass auch mal ein anderer Künstler, jemand wie Jan, mich und mein Leben interpretiert.

Sie sind seit 15 Jahren mit HIV positiv  und gehen damit sehr offen um. Spielt das eine Rolle in diesem Stück?
Ja, ich beschreibe Drogen, aber auch all die Medikamente, die ich nehme, die Wirkung, die sie auf mich haben. Es gibt nach jeder Szene eine Art Soap-Commercial und dazwischen erzähle ich auch davon, wie ich mir bewusst wurde, dass ich HIV positiv bin. Von diesem ganzen biologischen Krieg, der da in meinem Körper vor sich geht. Dass ich dieses Drama in meinem Körper auf eine leichte und humorvolle Weise durch mich hindurchziehen lassen kann, das ist das Wichtigste für mich.

Wie war es, zu einem solch intimen Thema mit Jan Fabre zu arbeiten?
Als ich Jan zum ersten Mal traf, war ich 27 Jahre alt und schon eine Weile beim Frankfurter Ballett. Ich war frustriert und dachte, ich hätte meinen Höhepunkt als Tänzer erreicht, ich wollte aufhören und in die Bildende Kunst gehen. Dann kam plötzlich Jan als Gast für eine Arbeit. In der ersten Woche hatten wir die größten Probleme, aber irgendetwas sehr Wichtiges ist dabei geschehen, ein Knoten ist geplatzt. Ich hatte auf einmal einen völlig neuen Blick darauf, was performen für mich bedeuten, wie ich mich einem Stück annähern kann.

Danach begann erst Ihre eigentlich große Zeit als Tänzer?
In gewisser Weise, ja. Jan hatte einen sehr großen Einfluss auf meine Entwicklung als Künstler, und ich bin dankbar dafür. Jetzt, für das neue Stück, war ich zum ersten Mal in Jans Haus. Wir haben dort einen Monat zusammen gearbeitet. Ich habe geputzt und er hat geschrieben, es war eine gute Zeit. Als wir zum ersten Mal wegen des Stücks telefoniert hatten, fühlte ich mich den ganzen Tag unbeschreiblich. Ganz geschützt und so leicht, wie in einer Seifenblase. Das haben wir dann zum Ausgangspunkt genommen. 

Interview: Michaela Schlagenwerth
Foto: Wonge Bergmann

Drugs kept me alive
Schaubühne,
16.+17.8., 19.30 Uhr,
Karten-Tel. 247 49-880


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