Theater

Edel-Trash mit Musik

Es ist eine nette Geste der Schaubühne, der Neuköllner Trash-Tunte Ades Zabel zu ihrem 50. Geburtstag mit einer Inszenierung, die aussieht, als hätte eine Zabel-Show auf einmal einen viel zu großen Etat gehabt, die kollegiale Referenz zu erweisen. Sozusagen Underground-Trash in der Subventionstheater-Variante – eine Inszenierung, die es redlich verdient hat, dass sich bei der Premiere Klaus Wowereit in ihr amüsiert wie der Bolle, der er ist. Interessanterweise ist keine Zabel-Hommage angekündigt, sondern ein Werk von William Shakespeare, „Viel Lärm um nichts“, und mit etwas Glück findet sich sicher ein phrasenfreudiger Rezensent, der dem Abend bescheinigt, einzuhalten, was der Titel verspricht. Marius von Mayenburg hat die Liebesintrigen-Komödie beschwingt, metiersicher und sympathischerweise frei von Tiefsinn inszeniert. B-Movie-Einspielungen von japanischem Godzilla-Trash bis Gothic-Horror sorgen für nostalgischen Pop-Appeal. Kay Bartholomäus Schulze darf als Margaret seiner schauspielerischen Lieblingsbeschäftigung nachgehen und sich als Frau verkleiden, Beatrice (Eva Meckbach) und der erfreuliche Sebastian Schwarz als „Benedick“ (achten Sie auf das phallische Namenswortspiel, haha) sind als geistreiche Zicken ein lustiges Liebespaar im vertrackten ersten Stadium, und Robert Beyer beweist als Intrigant John, dass er notfalls auch Spaß an der Klamotte hat. Große Kunst geht anders, aber peinlich ist die fluffige Harmlosigkeit nicht, und dafür ist man inzwischen ja auch dankbar.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Zwiespältig

Viel Lärm um nichts, Schaubühne, Sa 21.–Mo 23.9., 20 Uhr, Karten-Tel. 89 00 23

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