• Kultur
  • „Ein Gespräch im Hause Stein …“ im Renaissance Theater

Kultur

„Ein Gespräch im Hause Stein …“ im Renaissance Theater

Von wegen Genie – ein Flegel war Goethe, als er nach Weimar kam. Wer aber hat ihm das ausgetrieben? Charlotte von Stein! So jedenfalls argumentiert sie selbst in Peter Hacks viel gespieltem Monodrama „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ von 1974. In Goethes ersten zehn Weimarer Jahren war sie seine (platonische) Geliebte, Muse, Ratgeberin, Briefpartnerin. Bei Hacks ist sie eine Selbstdarstellerin zwischen hochfahrender Rechtfertigung und verletzten Gefühlen.
Eine großartige Rolle, die man füllen können muss. Annika Mauer kann. Am Renaissance­Theater geistert sie in Johanna Schalls Regie durch den anspielungsreichen feudalen Salon, in einem ausladenden Kleid, das mit seinem blassen Blumenmuster ins Heute weist. Mauer spielt eine erstaunlich emanzipierte Frau, eine Strippenzieherin, die bereit ist, alle Schicklichkeit und Standesgrenzen über Bord zu werfen, um ihr Ziel zu erreichen. Dabei entwirft sie herrliche Sprech-Bögen zwischen lieblichem Gezwitscher und Sarkasmus­Abgründen. Da prallt Hessisch auf Sächsisch, da klingt die Liebe wie Lüübööö, da liest sie so spitz aus Goethes Briefen, dass man Verletzungen ahnt. So entsteht das beeindruckende Bild einer Frau, die zwischen Koketterie, Frustra­tion, Machtstreben und Selbstüberschätzung verbal die größte Niederlage ihres Lebens vorbereitet.  

Text: Georg Kasch

Renaissance Theater Mi 2.– Fr 4.3., 20 Uhr, Eintritt 10–48 Euro

Mehr über Cookies erfahren