Theater

„Ein Sommernachtstraum“ im Deutschen Theater

Ein SommernachtstraumVor drei Jahren hat Jürgen Gosch am Deutschen Theater Shakespeares Märchen- und Zauberstück „Ein Sommernachtstraum“ inszeniert. Das war: Ein Kunstwerk, in dem sich Menschen in Bäume und Bäume in Zauberwesen und Zauberwesen in Menschen und Menschen  in Löwen und Esel verwandelten. Und der Traum, die Wirklichkeit und das Spiel kaum zu unterscheiden waren. Jetzt hat auch Andreas Kriegenburg am Deutschen Theater den „Sommernachtstraum“ inszeniert. Das ist: Eine Schwerfälligkeit, die vom Zauber so weit entfernt ist wie vom Traum.
Dabei fängt es lustig an. Die Handwerker- und Schauspieltruppe ist hier eine Brigade im Blaumann, die in der Kaffeepause „Lettre international“ oder das „Handelsblatt“ liest und sich die Zeit mit gelehrten Gespächen über die Schwierigkeiten der Traumdeutung vertreibt: Der eine ist schwerer Walter-Benjamin-Fan, der andere Freudianer und alle zusammen offenbar in der Fensterputzkolonne gelandete Akademiker. Und weil Margit Bendokat, Barbara Schnitzler, Almut Zilcher, Barbara Heynen mit angeklebten Schnauzbärten und Markwart Müller-Elmau das stoisch bis zum Anschlag spielen, ist das Ganze ziemlich komisch. Was noch besser wird, wenn sie als muntere Chargen-Truppe Theater im Theater spielen und Peter Squenz Dichtung in den Trash entsorgen.  

Der Rest ist nettes Dekorationstheater. Der Zauberwald hat sich in ein großes Gewächshaus mit bedauernswerter schlechter Akustik verwandelt (Bühne: Kriegenburg) und auch die Darsteller wissen nicht so recht, ob sie jetzt eher Natur- oder Kulturwesen sind, weshalb ihnen gerne mal Baumkronen, dicke Büschel Gras, knorrige Äste oder Farn anstelle des Kopfes aus der Anzugjacke wachsen. Was vermutlich poetisch sein soll und leider nur nachgemachter Renй Magritte ist. Die Verwandlung von Menschen in Pflanzen setzt sich fort, wenn Lysander (Bernd Moss) und Hermia (Natali Seelig) im Wald einschlafen und sich statt auf Gras auf den Teppich der Arme der anderen  Darsteller betten. Was leider nur eine sehr schwerfällige und ungekonnte Imitation von Szenen aus Sasha Waltz’ Tanztheater ist. Die Liebes- und Verwechslungs- und Zauberblüten-Romanzen rollen routiniert ab, ohne größeres Interesse am Innenleben der Figuren zu wecken. Einzig Judith Hofmann als Helena gibt ihrer Figur Kontur und eine verstörte Seele. Ole Lagerpusch als Oberon gibt den jungen Narziss, mäßig aufregend wie die ganze dreistündige Veranstaltung.     

Text: Peter Laudenbach
Foto: Arno Declair


tip-Bewertung: Zwiespältig

Ein Sommernachtstraum?
Deutsches Theater, 5., 8.10., 20 Uhr, 10.10., 19 Uhr

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