Theater

„Ein ­Volksfeind“ am Maxim Gorki Theater

EinVolksfeindIbsens „Volksfeind“ wird derzeit gern genommen, um politisches Bewusstsein zu demonstrieren. In diesem Sinne wurde da Stück vom durchdrehenden Gutmenschen Stockmann unlängst an der Schaubühne von Thomas Ostermeier exekutiert. Die Inszenierung von Jorinde Dröse am Gorki wirkt nun fast wie eine gezielte Ostermeier-Parodie. Boulevardattacken in einem Kleinbürgersumpf zwischen Sofa in Übergröße, Kochnische und Musiker-Ecke.

Wichtigster dramaturgischer Eingriff: Nach gut 100 Jahren Ibsen haben sich im Haushalt des politisch amoklaufenden Badearztes die Rollenverhältnisse umgekehrt. Frau Doktor Stockmann (Sabine Waibel) hat nunmehr im Haus die Hosen an und hält die pseudonietzscheanische politische Brandrede, die im Zentrum des Stückes steht. An der Schaubühne wurde sie durch das einschlägige „Manifests vom kommenden Aufstand“ ersetzt, das wiederum am Gorki mit vollem Recht als „romantische Scheiße“ verworfen wird. Sabine Waibel predigt stattdessen im Theaterfoyer „24 Stunden Hass am Tag -Raus aus dem Dreckssystem“.                  

Text: Andreas Hahn
Foto: Bettina Stoess
tip-Bewertung: Zwiespältig

Ein Volksfeind
Maxim Gorki Theater, Fr. 19.10., Sa. 3.11., 19.30 Uhr, So 11.11., 18.00 Uhr

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