Theater

Elisabeth im Admiralspalast

Elisabeth

Auch über 100 Jahre nach ihrem Tod ist die Faszination an „Sissi“, der Kaiserin von Österreich, ungebrochen groß. Wie war diese willensstarke, unbändige Frau, die ihr Leben am Hofe stets als goldenen Käfig empfunden hatte, in Wirklichkeit?
Wir wissen heute, dass Elisabeth mit Sicherheit nicht das kitschig-verklärte, romantische Liebchen gewesen ist, das Romy Schneider in den Sissi-Filmen der 1950er Jahre zu Weltruhm verholfen hatte. Dennoch sah sich Autor Michael Kunze nach der Premiere seines Musicals Elisabeth im Jahre 1992 vor allem von der Presse hämischer Kritik ausgesetzt. Der neue Blickwinkel, der im Leben der Kaiserin auch die dunklen Seiten Lebens zeigt, kam für viele der Gotteslästerung an der österreichischen Nationalheiligen gleich.
Den Erfolg des Musicals konnten diese engstirnigen Ansichten nicht verhindern, denn letztlich bietet das Bühnenstück eben genau das, was auch das Leben von Elisabeth ausmachte: es geht um Liebe, Macht, Ruhm, Schönheit und Verzweiflung, am Ende sogar um Mord.
Musikalisch ist dies von Michael Kunze und Sylvester Levay mal opulent im Stile bombastischer Oper, mal zurückhaltend verletztlich mit wunderschönen Balladen umgesetzt und gehört nicht nur aufgrund seiner Abwechslung zu den besseren Musicals auf deutschen Bühnen. Auch die aktuelle Besetzung weiß gesanglich zu überzeugen – allen voran Roberta Valentini, die auch schwierige Gesangspassagen ohne Mühe meistert und deren Spiel die Zerissenheit einer Kaiserin zwischen Lust und Pflicht am österreicherischen Hof jederzeit mit sich trägt und die den schleichenden Übergang von der lustvoll-fröhlichen, jungen Adeligen und der von Verbitterung gegrämten Kaiserin kurz vor ihrem Tod auch innerhalb von 140 Minuten auf der Bühne in allen Nuancen aufzeigt.
Das gesamte Ensemble zeigt sich – gerade auch in den opulenten Chor-Szenen – stimmlich auf der Höhe, allein bei Mбte Kamarбs, der spielerisch als ewig lockender Tod durchaus zu überzeugen weiß, müssen in Sachen Stimme ein paar Minuspunkte verbucht werden. Hier fehlt leider wiederholt das letzte Öffnen der der Stimme, wodurch eben ausgerechnet der Tod, der im Leben Elisabeths und so auch im Stück eine nicht unwichtige Rolle spielt, in manchen Sequenzen seltsam gebremst wirkt.
Einem gelungenen Musicalabend stehen diese fast unmerklichen Abzüge jedoch keineswegs im Wege. Elisabeth ist die starke Geschichte einer starken Frau, musikalisch passend unterlegt und in seiner Gesamtheit der Faszination „Sissi“ mit Sicherheit noch zuträglich.

Text: Martin Zeising

Foto: Wonge Bergmann / Elisabeth

Elisabeth, Admiralspalast, noch bis 14.02.2016

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