Kindertheater

„Emil und die Detektive“ im Atze Musiktheater

Die aufgepimpte Version des Kästner-Klassikers bringt Spaß

Wie groß die Jugendtheater-Versäumnisse der großen Opernhäuser sind, das kann man an einem Erfolg wie diesem lernen. Berlinisch bis zum Abwinken. („Knorke ist doppelt so schnafte wie dufte“; uff!) Bebend vom rotzigen Charme der Off-Theater-Selbstausbeutung und des Doppeldienstes (alle Musiker müssen auch als Bühnendarsteller ran). Seit über 13 Jahren residiert das Atze Musiktheater im ehemaligen Beckmann-Saal der Beuth-Hochschule im Wedding. Das altlinke Selbstverständnis hat (ungeachtet des edlen „Musiktheater“-Begriffs, zu dem man sich bekennt) auch auf „Emil und die Detektive“ nach dem Roman von Erich Kästner abgefärbt. Zu dessen Vorteil.
Statt Schiebermütze trägt Emil Basecap. Statt am Bahnhof Zoo steigt er, frisch beklaut, am Berliner Hauptbahnhof aus. Die Polizei einschalten kann er nicht, da er zuhause (nicht wie in Kästners Original: dem Kaiserdenkmal einen Schnurrbart gemalt, sondern) am Rathaus die Parole „Nazis raus!“ an die Wand gesprayt hat. Der „Professor“ der Jugendbande, die ihm hilft, ist stumm und spricht in Gebärdensprache. Randgruppenpädagogisch wertvoll! Die Geld-Belohnung am Ende wird sozialistisch geteilt und in einen Jugendclub investiert.
All das rührt, hat Tempo und klingt, als habe Bert Brecht ein Musical komponiert (Musik und Regie: Thomas Sutter). Unter der holzspanigen Kletterschräge schwingen Ilja Plétner (Emil) und die andern hervor wie Klammeraffen. „Simple, but effective“, würden die Briten sagen. Atze hat einen Klassiker kreiert.

„Emil und die Detektive“ im Atze Musiktheater Sa 28.1., 16 Uhr, Mi 1.2., 10.30 Uhr, Do 2.2., 10.30 Uhr, Sa 4.2., 16 Uhr, Eintritt 10 € (diverse Ermäßigungen)

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