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Eröffnung der Tischlerei in der Deutschen Oper mit „Mahlermania“

Mahlermania„Radikale Poesie“, meint die Regisseurin Nico Hümpel, „gehört zum Schwersten, was man im Theater erreichen kann.“ Wohl wahr. Pina Bausch war es, die die choreografie­nahe Regisseurin auf den poetischen Trichter brachte. Mit „Nelken“, „Wiesenland“ und „Cafй Müller“ in Wuppertal. Alles Poetische sei eine Gratwanderung zwischen Kunst und Kitsch, findet Nico Hümpel. Das sei eben das Höllische daran. Könnte stimmen.

Nico Hümpel ist die Erfinderin, Chefin, Inspiratorin und Regisseurin der Performance-Compagnie Nico And The Navigators. Ihr neues Stück „Mahlermania“ ist ein Cocktail aus Mahler-Liedern, Symphonie-Schnipseln und Tanz. Er rührt und schüttelt das Leben von Gustav Mahler und seiner Frau Alma kunstgerecht durch, und die Kirsche im Cocktail ist die Kunst, diese Künstlerexistenzen von damals heute zu tanzen. Mit „Mahlermania“ eröffnet die Deutsche Oper eine neue Spielstätte: Die ehemalige Tischlerei wird zur Bühne. An der Rückseite des Gebäudes erhält der neue, riesige Aufführungsort einen eigenen Eingang mit Foyer, Garderoben und Catering – eine für Experimente offene Opern-Off-Bühne. Noch drei Wochen vor der Premiere sind die Bauarbeiten im Gange.

Hier könnten locker 400 Zuschauer Platz finden, wenn man dichter bestuhlen würde. Ein Signal und Aufbruch auch für die neue Intendanz von Dietmar Schwarz, der seine junge, neue Bühne gerne mit vier bis fünf Produktionen im Jahr bespielen würde. Die Zukunft ist „erfolgsabhängig“ sagt Dorothea Hartmann, die Dramaturgin und künstlerische Leiterin der Tischlerei. Ein festes Budget ist noch nicht einkalkuliert. Mit Uraufführungen wie „Oh, wie schön ist Panama“ (nach Janosch), einem Kompositionswettbewerb und dem Musiktheater „Irgendwie anders“  will man neue Zuschauerströme ansaugen. Auch mit Mahler und  „Mahlermania“.

Für Nico Hümpel, die an Off-Bühnen wie den Sophiensaelen und dem Radialsystem ihre Karriere startete, ist die Produktion an der Deutschen Oper fast ein Ausbruch aus der freien Szene. „Es ist das erste Mal, dass uns von einem Opernbetrieb feste Sänger zur Verfügung gestellt werden“, sagt die Regisseurin.
Der Stoff von „Mahlermania“: Mahlers Musik und die von Dynamik nicht freie Ehe zwischen Alma und Gustav. Die Protagonisten dieser Künstlerehe gehören zu den aufregendsten, von Ambivalenzen nicht freien Figuren der vorletzten Jahrhundert-Nachwende. Thomas Mann nannte Alma Mahler-Werfel die „grande veuve“, die „große Witwe“ – eine Anspielung auf ihre zahlreichen Ehemänner und Affären. Weniger sympathisch ist, dass Alma sich immer wieder als Antisemitin bemerkbar machte.
Heute gilt Gustav Mahler als wichtigster Symphoniker nach Beethoven. „In Mahler ballen sich Spätromantik und Moderne, Nietzsche, Freud und Andrй Breton“, so Hümpel. „Mahlermania“ ist ein Ambivalenz-Drink, der an anziehenden und abstoßenden Ingredienzen nur schwer zu überbieten ist.

Text: Kai Luehrs-Kaiser
Foto: Thomas Aurin

Termine: Mahlermania
in der Deutschen Oper,
u.a. 5.+6.12., 20 Uhr, ­
Karten-Tel. 34 38 43 43

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