Theater

Expat Expo im English Theatre

Expat Expo

In Billy Wilders „Some Like It Hot“ sind die sogenannten Freunde der italienischen Oper in Wahrheit ein schmieriges Mafia-Syndikat. In Berlin tarnten sich vor 25 Jahren unter dem durchtriebenen Decknamen Friends of Italian Opera englischsprachige Theatermacher. Der Beginn des English Theatre. Heute müssen sie sich nicht mehr verstecken und nennen sich im Beinamen seit 2012 offen International Performing Arts Center. Eine Entscheidung von Daniel Brunet, dem smarten künstlerischen Leiter, der im Haus verstärkt Platz gibt für postdramatische Performances made in Berlin mit Englisch als Brückensprache.
Ein Thema, das in den Produktionen vieler anglofoner Wahlberliner immer wieder durchschimmert: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Migranten und einem Expatriaten? Das Festival, mit dem das English Theatre seinen 25. Geburtstag feiert, nennt sich Expat Expo. A Showcase of Wahlberliner.
Das israelisch-italienische Duo Fem erkundet in „Why Are We So F**king Dramatic?“ mittels Körpersprache, wie man mit jungen Frauen umgeht. In „Mars One: Venus Zero“ geht es um einen wahnsinnigen Typen, der die Weltherrschaft der Frauen herbeikommen sieht. „Blanche“ (Foto) nimmt sich der gleichnamigen Figur aus Tennessee Williams’ „A Streetcar Named Desire“ an. In „Stripped“ des britischen Autors Stephen Clark geht’s um die Vorbereitungen auf ein Date in digitalen Zeiten. Am Sonntag wird das ganze Theater-Areal beim „Expat Markt“ zur Installation – sechs Stunden lang und kostenfrei fürs Publikum. Nix für Hardcore-Freunde italienischer Opern, aber fucking dramatic.

Text: Stefan Hochgesand

Foto/Grafik: Joachim Gern/Jörg Eschenburg

Expat Expo, English Theatre, Fidicinstraße 40, Kreuzberg, bis So 7.6., Karten-Tel.: 691 12 11

Mehr über Cookies erfahren