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„Fahr zur Hölle, Ingo Sachs“ im Deutschen Theater

FahrZurHoelleIngoSachsDie bewährten Hamburger Szene-Scherzkekse Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger, auch bekannt als Studio Braun, sind immer für heitere Abende gut. Im vergangenen Jahr bescherten sie dem eher drögen Deutschen Schauspielhaus Hamburg mit „Rust“ eine  gut geölte Show: Theater als Jointventure aus Subventions-Hochkultur auf der Sucha nach dem Kontakt mit der subkulturaffinen Jugend und Golden Pudel Club. Schließlich müssen auch bewundernswert verdrehte Kunst-Punks und smarte Dadaisten jenseits der 40, genau wie Karrierie-Intendanten jenseits jugendlicher Illusionen, sehen, wo sie bleiben. Was logischerweise völlig okay ist.

Jetzt hat das Deutsche Theater die drei Herrschaften aus Hamburg gebucht, und herausgekommen ist einer dieser netten Abende gepflegt-ungepflegter Unterhaltung. Gegen die Show mit dem aparten Titel „Fahr zur Hölle, Ingo Sachs“ kann man im Prinzip nicht sagen, außer vielleicht, dass sie in ihrer leichten Saturiertheit und dem ironiekulturüblichen Flirt mit dem Trash ab und zu ein wenig an die Freuden der besseren Abteilungen des Privatfernsehens erinnert und in irgendeiner ehrlich kommerziell-schmierigen Entertainment-Bude möglicherweise beträchtlich größeren Charme entwickeln würde als in der samtenen Pracht des Staatstheaters.

Diesen nicht unproblematischen Rahmen mal beiseitegelassen, lässt sich die Show durchaus goutieren, was zu einem nicht unbeträchtlichen Teil dem bewundernswerten Show-Orchester von Sebastian Hoffmann zu danken ist. Ohne Angst vor hübschen Knalleffekten, angemessen lautstark, mit schönster Präzision und Leichtigkeit bedienen die Damen und Herren im Orchestergraben auch die schmierigeren Genüsse, die die fetten Soundtracks der großen US-B-Movies der 70er und frühen 80er zwischen Blaxploitation und Burt Bacharach zu bieten haben. Denn genau darum geht es an diesem Abend: um die wunderbare Welt der 70er-B-Movies zwischen „Shaft“ (schwarz, links, stolz) und Charles Bronsons „Death Wish“ (weiß, tendenziell rechtsradikal, eher depressiv). Das wird dann – warum eine komplizierte Dramaturgie, wenn’s auch billig geht – mit der üblichen Theater-im-Theater- bzw. in diesem Fall Theater-im-Film-im-Theater-Masche aufgemotzt und mit Kleists „Kohlhaas“ verschnitten. Da muss man dann wohl durch.

FahrZurHoelleIngoSachsWas geschieht? Ein Wichser von Kunstfilm-Regisseur und Arthouse-Arschloch, Herr Ingo Sachs, idealtypisch besetzt von Ole Lagerpusch verzappelt, infantil am Brillenbügel lutschend als wäre es die Mutterbrust, streif sich künstlerdeppenmäßig mit den nervösen Fingern durch die fettige Langhaarfrisur, ist also durchaus angemessen debil, dieser Ingo Sachs soll ein Sequel der „Ein Mann sieht rot“-Serie um Mr. Charles Bronson drehen. Es kommt, was kommen muss: nervende und zügig aus dem Ruder laufende Dreharbeiten, hübsche Papp-New-York-Straßenschluchten, Ausflüge ins Musical und zwischendurch heitere Studio-Braun-Auftritte, die Ingo Sachs darauf hinweisen, dass er nur eine Figur in einem Studio-Braun-Actionmusical ist und zu sagen hat, was im Skript steht. Toll ist Bronsons Jagd über die rotierende Drehbühne mit entsicherter Pumpgun auf der Jagd nach Junkies, Dieben, Schwulen und schönen Zitaten von „Taxi Driver“ bis Michael Jackson.

Eine große Freude ist Felix Goeser als Charles Bronson. Ist Goesers arg virile Spielweise sonst ab und zu ein wenig anstrengend, spielt er hier sehr lässig und mit Vergnügen an der Klamotte ein Bronson-Double, bei dem man zwischen Testosteron-Startum und Vollverblödung zwar völlig zu Recht nicht unterscheiden kann, dem zuzusehen aber in jedem Augenblick Spaß macht. Und um nichts anderes geht es an diesem fröhlich-belanglosen Abend.

Text: Peter MC Verriss Laudenbach

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Annehmbar

Termine: „Fahr zur Hölle, Ingo Sachs“
im Deutschen Theater
,
Karten-Tel. 284 41-225

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