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„Fahr zur Hölle, Ingo Sachs!“ im Deutschen Theater

FahrZurHoelleIngoSachs_arno_declairWie man sich täuschen kann. Nicht, dass das Hamburger Musik- und Quatsch-Kollektiv (bestehend aus den Szene-Matadoren Jacques Palminger, Rocko Schamoni und Heinz Strunk) nicht tatsächlich immer wieder total lustig wäre. Aber Komiker – so zeigt sich erbarmungslos – geben nicht zwangsläufig zwerchfellerschütternde Interviews. Die Bälle, die in der Vorfreude des Redakteurs nur so hin und her ploppten, kleben beim Gespräch dann schwer auf dem Boden der Tatsachen. Trotzdem kann man beim Telefonieren mit Heinz Strunk eine Menge lernen. Zum Beispiel, dass Unterhaltung erschöpfend harte Arbeit ist. Zum verabredeten Zeitpunkt und eine ganze Weile darüber hinaus läutet sein Handy friedlich und unbeachtet vor sich hin. Den Selfmade-Künstler, Autor und Co-Regisseur des neuesten Studio-Braun-Musiktheaterprojekts „Fahr zur Hölle, Ingo Sachs“ hat zwischen Nachmittags- und Abendprobe auf einer Couch irgendwo im Deutschen Theater der verdiente Tiefschlaf übermannt. Als er eine gute halbe Stunde später zurückruft, ist die Stimmung nicht gerade aufgekratzt.  

Meine Fragen nach der neuen Inszenierung am Deutschen Theater („Es geht um einen europäischen Filmregisseur zwischen Arthouse und Kommerz, der ein Remake von ‚Ein Mann sieht rot‘ mit Charles Bronson dreht“), seiner Hamburger Bürgermeisterkandidatur für Die PARTEI („Ich bin der ‚Titanic‘ seit vielen Jahren verbunden“), den eigenen Performerqualitäten („Ich kann das so okay, bin aber keine Spitzenbegabung“) und der ersten Berliner Theatererfahrung („Wir sind hier am Haus sehr liebevoll empfangen worden“) bringen ihn nicht wirklich in Plauderlaune. Doch dann taut oder wacht der 49-jährige Hamburg-Harburger langsam auf. Zum Theater sei er von den bereits auf Theatertuchfühlung gegangenen Kollegen Schamoni und Palminger „zwangsrekrutiert worden“. Die allererste Studio-Braun-Inszenierung hatte Tom Stromberg zum Ende seiner Hamburger Schauspielhaus-Intendanz angestoßen, ein Musical nach Strunks Bestseller „Fleisch ist mein Gemüse“. Die anschließende Theaterfassung von „Dorfpunks“ (2008), eine sympathische Mischung aus fröhlichem Volkstheater und spätpubertärer Renitenz, lief 39 Mal und war damit die erfolgreichste Schauspielhausinszenierung der letzten zehn Jahre. Überhaupt scheinen Zahlen den bodenständigen Strunk zu elektrisieren: Die fünf Alben mit kalauerartigen Telefonstreichen, mit denen die Karriere von Studio Braun begann, hätten sich insgesamt nur schlappe 30?000 Mal verkauft.

„Das ist total wenig. Wir sind eben ein Szenephänomen, dessen Humor sich eher an Akademiker als an Mario-Barth-Fans richtet.“ Dagegen habe „Fleisch ist mein Gemüse“ mit über 400?000 verkauften Exemplaren den Durchbruch zum Bestseller geschafft. Mario Barth, wir kommen! Schon drei Inszenierungen hat Strunk sich seit Beginn der Berliner Proben angesehen. Sein Fazit fällt nüchtern aus: „Eigentlich ist Theater nicht meine Baustelle. Das meiste ist nullkommanull lustig. Wir versuchen das jetzt mal ein bisschen anders. Wir haben uns Unterhaltung ganz groß auf die Fahnen geschrieben.“

Text: Eva Behrendt

Foto: Arno Declair

Fahr zur Hölle, Ingo Sachs! Deutsches Theater, 18.+19.11., 19.30 Uhr; 26.11., 20 Uhr; 27.11., 19 Uhr; 3.12., 20 Uhr;
Karten-Tel. 28 44 12 25

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