Theater

„Fast Fiction“ im White Trash Berlin

FastFictionEs gibt für Verehrer von Quentin Tarantino viele Orte, an denen sie sich in die Welt des Trash-Königs begeben können: Das sind Kneipen und Bars, die sich durch Namen (Titty Twister), Interieur (Plakate, Filmrollen, Samuraischwerter) oder Getränkekarte (Mister-White-Cocktails) der Ta­ran­tino-Gemeinde empfehlen. Doch das echte Tarantino-Feeling findet man in Berlin eher woanders. Ganz oben: das White Trash Fast Food in Mitte. Mit den Abseitigkeiten des Lebens kennt man sich hier aus. Ein Gast, der vom Tresen pinkelt, ein Zechpreller, der den Laden anzünden will – alles schon passiert. Konsequenterweise findet genau dort eine Ta­ran­tino-Hommage der besonderen Art statt: „Fast Fiction“ – ein Theaterstück, frei nach Motiven aus „Pulp Fiction“ und anderen Tarantino-Filmen.Ausgedacht haben sich das White-Trash-Betreiber Wolfgang Sinhart und Helen Suhr, die seit drei Jahren im White Trash kellnert. Die Idee kam den beiden, als sie sich mal wieder „Pulp Fiction“ angesehen haben. „Das könnte doch auch alles hier bei uns passieren“, dachten sie und machten sich, weil sie dank Schauspielausbildung (Wolfgang) und Kulturwisschenschaftsstudium (Helen) auch den richtigen Background hatten, gleich an ein Drehbuch, das die Plots verschiedener Tarantino-Streifen ins White Trash verlagert.

FastFictionDie Grundstory geht so: Die beiden Berufskiller Vince und Jules kommen vor einem Auftrag ins White Trash, treffen dort auf die Mädels aus „Death Proof“ und ergehen sich fachsimpelnd in den Tarantino-typischen Lieblingsfetischen: gute Musik, schnelle Autos, schöne Füße. Gespielt wird auf Englisch, der erste Teil des Stü­cks findet oben im Restaurant statt, nach gut eineinhalb Stunden geht es runter in die Bar, die zu Zeds Folterhöhle umfunktioniert wurde.
Fürs Ensemble konnte man sich bei der Belegschaft bedienen: „Es war schon verblüffend, wie viele hier einen Theaterback­ground haben“, sagt Helen Suhr. Den Bühnenbilder fand man in der Küche, die Schauspieler hin­term Tresen, in der Verwaltung und der Geschäftsführung. Der Türsteher spielt auch mit, und die einfachste Rolle hat Barmann Andy. Er spielt einen Barmann.
Dass das Ganze keine schnöde Kopie wird, versprechen die ers­ten Einblicke: „Wir zeigen beispielsweise den Boxkampf“, den es im Film nicht zu sehen gibt, verrät Koregisseur Wolfgang Sinhart. Und eine im Film gestrichene Interviewszene mit Misses Mia Wallace erlebt ebenfalls ihre Uraufführung. Beil, Pistole, Peitsche, Seil und Säge liegen jedenfalls bereit. Und damit das literweise eingekaufte Kunstblut fließen kann, wird unter anderem ein Kopf abgeschnitten. Allein der bereits abgedrehte Videovorspann (in dem White-Trash-Mitinhaber Wally als Wallace eine „Fucked Up Glory Story“ verspricht) ist schon so cool, wie man es an der Volksbühne schon lange nicht mehr ist.

Text: Björn Trautwein

Termine: Fast Fiction
im White Trash Fast Food

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