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Festival Foreign Affairs: „Die Zeit singt dich tot“

Fabian_hinrichs_c_william_minkeHerr Hinrichs, Sie bereiten Ihr neues Projekt „Die Zeit singt Dich tot“ vor. Wie geht’s?
Ja, wir haben jetzt angefangen, ich muss noch eine Woche schreiben und dann haben wir noch zehn Tage für die Proben.

Sie waren in Renй Polleschs Inszenierungen, in denen Sie an der Volksbühne spielen, auch so etwas wie der performende Mit­autor der Stücke. Weshalb zeigen Sie jetzt als Autor, Regisseur, Schauspieler eine eigene Inszenierung?
Na ja, Text und Regie, das sind so Benennungen … Ich will mich da nicht neu positionieren oder so. Ein Schauspieler, der jetzt auch Regie führt – das ist immer eine gewisse Zuschreibung, dem entkommt man auch nicht. Ich habe schon immer kleinere Sachen für mich selbst gemacht. Ich habe in den Inszenierungen immer selbst entschieden, was ich auf der Bühne mache und auch an Sachen mitgeschrieben. Aus herkömmlichen Bezügen, wo man an einem Tag „King Lear“ und am nächsten Ibsen spielt, habe ich mich immer möglichst rausgehalten. So etwas kann sicher auch gelingen, aber ich finde es meistens sehr bemüht, wenn man versucht, psychologisch-realistische Situationen zu inszenieren, wenn man sich mit einem Text bemäntelt, der alt ist. Aber es ist vielleicht auch zeitgemäß für mein Alter, dass man eher weiß, was man nicht will, als dass man weiß, was man will.  

Wie kam es zu dieser Produktion?
Frie Leysen, die Festivalkuratorin, hat mich gefragt, ob ich mir nicht so ein Projekt vorstellen könnte, und dann ist das seinen Weg gegangen. Ich hatte immer die Idee, für die Bühne eine Art Band zu gründen, aber nicht unbedingt eine Musikband. Ich wollte mit anderen etwas zusammen machen, die auch nicht unbedingt Schauspieler sind, weil das ja unter Umständen immer spezielle narzisstische Probleme aufweist. Ich habe mit Jakob Ilja geredet, dem Gitarristen von „Element of Crime“, wir sind schon länger miteinander befreundet. Wir haben zusammen Musik gemacht, daraus hat sich die Idee ergeben, zusammen dieses Stück zu machen.

Was bedeutet der obskure Titel: „Die Zeit singt dich tot“?
Der Abend heißt eigentlich „Die Zeit schlägt dich tot“. Ich habe irgendwann mal so gesagt, wir könnten es doch auch „Die Zeit singt dich tot“ nennen, was natürlich ein Witz war. Das hat sich irgendwie verselbstständigt. Und irgendwann habe ich erfahren, dass das jetzt als Titel im Festival-Programmheft gedruckt steht …

In Ihrer Ankündigung steht ein harter Satz: „Das Leben ist nicht kompliziert, sondern einfach schrecklich.“ Stimmt und stimmt nicht, oder?
Ich muss zugeben, dass der Satz nicht von mir ist, das ist ein Zitat von Michel Houellebecq. Genau darum wird es auch gehen, ob dieser Satz stimmt oder nicht. Und darum, ob sozialutopische Gedanken überhaupt noch eineChance haben, um die Frage, was die Zeit davon noch übrig gelassen hat. Zum Beispiel, was von der Idee einer Stadt übrig geblieben ist. Ich versuche auf der Bühne immer, eine Form der Kommunikation herzustellen, die es im normalen Umgang miteinander nicht so gibt, zu Hause oder so. Deshalb hängt der Abend auch immer davon ab, wie die Leute im Publikum sind. Er soll erst mal uns gemäß sein, es wäre natürlich schön, wenn das Anschluss finden kann. Zu einem Rockkonzert kommen Leute, die die Platten zu Hause haben, die begeistert sind, die Künstler jetzt live zu sehen. Diese Begeisterung gibt der Künstler dann zurück. Im Theater ist das ja oft nicht so, da muss man die Begeisterung beim Zuschauer erst erzeugen, weil die aus ganz anderen Motiven kommen.   

Interview: Peter Laudenbach
Foto: William Minke

Die Zeit singt Dich tot
Haus der Berliner Festspiele,
Sa 20. – Mo 22.10., 20 Uhr, Karten-Tel. 254 89-100

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