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Festival „Freischwimmer“ 2012 in den Sophiensaelen

Freischwimmer_invest_in_meAlle sind aufgefordert, an ihrem Ego zu arbeiten, keiner arbeitet an einer Form von Gemeinschaft“, erklärte Renй Pollesch schon 2008 im Doku-Musical-Film „Prekär, frei und Spaß dabei?“. In vielen Diskussionen der vergangenen Jahre wurde der Künstler zum Prototyp des markttauglichen Menschenbilds ausgerufen: kreativ, innovativ, flexibel und eigenverantwortlich bis zum prekären Scheitern auf Hartz-IV-Niveau. Also haben die Dramaturgen der deutschsprachigen Freien Spielstätten, die seit 2004 gemeinsam das Festival Freischwimmer kuratieren, den Nachwuchskünstlern diesmal ein wirklichkeitsnahes Motto mit auf den Arbeitsweg gegeben: „Verwerte Dich!“ Sieben Arbeiten zwischen Installation, Live Art und Musiktheater sind zum Thema Selbstverwertung entstanden. Jetzt haben sie in den Sophiensaelen Premiere, bevor sie in Hamburg, Wien, Zürich, Frankfurt und Düsseldorf weiterverwertet werden.

Die in Berlin lebende Gießen-Absolventin Luise Voigt, die zuletzt mit Heiner Goebbels zusammenarbeitete, versucht das Problem der Vereinzelung musikalisch zu lösen. Mit dem Verschwinden der Arbeiterklasse ist dem Arbeiterlied sein Chor abhanden gekommen. Statt gegen die herrschende Klasse kämpft der oder die Einzelne nun gegen sich selbst und das Burn-out. „Ausbrennen – Songs von der Selbstverwertung oder Melodien für den Feierabend“ ist Konzert, Live-Hörspiel und Performance für Einzelkämpfer, deren Freundeskreis sich in ein Netzwerk verwandelt hat. Mit einem anderen, eigentlich emanzipatorisch gedachten Phänomen – der Erfindung der modernen, zeit- und kraftsparenden Einbauküche 1926 – beschäftigt sich Joonas Lahtinens Kantinen-Installation „Ein.Küchen.Bau“ aus Wien, in der es täglich kostenlos Geschichten und Fertiggerichte gibt. Außerdem arbeiten die Performer Alexander-Maximilian Giesche und Lina Hermsdorf zum ersten Mal in der Formation Giesche X Hermsdorf zusammen: „Black or White“ heißt ihre Arbeit, die frei nach Rolf Dieter Brinkmann die Welt nach Überflüssigem befragt: „Mal Bilder weg, mal Bilder dran, mal Schallplatten, mal keine, und jetzt alles neu!“  

Text: Anja Quickert
Foto: Thom Truong

Festival Freischwimmer
Sophiensaele,
25.10.–4.11.,
www.freischwimmer-festival.com,
Karten-Tel. 283 52 66

THEATER UND BÜHNE IN BERLIN

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