Theater

„Figaros Hochzeit“ im Bode-Museum

FigarosHochzeitAuf einem Laufsteg wie bei einer Modenschau arrangiert der Dirigent und Gelegenheitsregisseur Christoph Hagel Mozarts „Figaros Hochzeit“ im Bode-Museum.
Zu Füßen des Laufstegs, auf gleicher Höhe mit den Stühlen für die Zuschauer, spielen die sich seit Jahren gegen ihre Abwicklung wehrenden Berliner Symphoniker. Man beschränkt sich auf wenige Requisiten: ein weißer Stuhl (gleichsam der Sitz der Macht, um den sich die Sänger  streiten), eine weiße Chaiselongue (das Boudoir, das Erotische), ein weißer Sekretär (Wirtschaft, Recht und Macht: Schriftstücke spielen bekanntlich eine große Rolle in der „Figaros Hochzeit“).

Zur Verständnishilfe werden die Rezitative in deutscher Übersetzung vorgetragen, alles andere im italienischen Original. Dass es um die Komik einer erotischen und juristischen Kriegsführung geht, unterstreichen die Sänger mit reichlich Pantomime. Sie bewegen sich wie Marionetten, parodieren bestimmte allegorische tierische Charakteristika (das stolze Pferd, die hinterlistige Schlange) oder führen ritualisierte Tänze auf, charmant choreografiert von Oliver Pollack (Pantomime) und Ingo S. Günther (Tänze).

Man kommt mit neun Solisten aus, die jeweils auch die Chorpartien übernehmen. Es ist gleichsam eine kammermusikalische Aufführung von „Figaros Hochzeit“, bei der man vor allem die Intimität der Rezitative in großer Nähe zu Sängern und Musikern genießen kann.  Christoph Hagels monomanischen Opernprojekten an ungewöhnlichen Spielorten, die sich wohl hauptsächlich an ein touristisches Eventpublikum richten, begegnet man oft mit Skepsis. An dieser Produktion ist aber nichts auszusetzen. Die eine oder andere musikalische Holperigkeit verdankt sich wohl den ungewöhnlichen räumlichen Gegebenheiten. Der Abend vermittelt einfach ein gutes Gefühl, so ein lässig erotisches Rokokogefühl. Es soll Spaß machen, und den macht es auch. Nicht mehr und nicht weniger.    

Text: Andreas Hahn
Foto: Dirk Mathesius
tip-Bewertung: Annehmbar

Termine: Figaros Hochzeit
im Bode-Museum, Eingang Monbijoubrücke,
u.a. 6.–8.4., 13.–15.4., 20 Uhr,
Karten-Tel. 018 05 39 53

WEITERE THEATERKRITIKEN

Mehr über Cookies erfahren