Theater

„On Fire“ im Studio 44

OnFire_DorkyPark_c_Zanele_Muholi_Courtesy_of_Stevenson_CapeTownandJohannesburgDie sexuelle Abweichung ist eine Sensation, gerade, wenn sie unter Strafe steht wie die Homosexualität entlang des 55. Längengrads zwischen Moskau und Dubai. Während Ostasien und Ozeanien längst Frieden schlossen mit einem „dritten Geschlecht“, machte soeben der Iran revolutionär von sich reden. Dort wurden in der Frauennationalmannschaft vier Männer enttarnt, denen es nach einer Geschlechtsumwandlung tatsächlich erlaubt sein soll, wieder in die Equipe zurückzukehren.

Ausgerechnet im so säuberlich nach Mann und Frau getrennten Sport bricht die duale Geschlechterordnung gelegentlich entzwei. Der Fall Caster Semenya bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin gilt als Gender-Höhepunkt: Da gewinnt eine südafrikanische 800-Meter-Läuferin mit tiefer Stimme und maskulinem Körperbau so haushoch, dass prompt an ihrem Geschlecht gezweifelt wird. Wir haben ein völlig neues Fremdwort gelernt: sie sei hyperandrogen.

Weiterlesen: Der isländische Konzeptkünstler Ragnar Kjartansson beschert der Volksbühne einen anheimelnd altmodischen Theaterabend unter dem schönen Titel „Der Klang der Offenbarung des Göttlichen“.

Mit dem Fall Caster Semenya beginnt am 28. Februar ein Wochenende der afrikanischen Wut in Constanza Macras’ Studio 44 in der Klosterstraße. Es geht bei Berlins wildester Choreografin auch darum, solch trennende Grenzen mittels Tanz aufzulösen. Tanz ist ein Post-Gender-Genre: In keiner anderen Sparte wurden die Zuschreibung des Rollenverhaltens von Frau und Mann, der ätherischen Ballerina und des keusch dienenden Akrobaten, so radikal und so früh aufgehoben. Mamela Nyamza dekonstruiert bei Macras Vorstellungen eindeutiger Geschlechter-Ordnung ebenso wie die Performerin Zanele Muholi. Gender-Bending in Südafrika, das ist Constanza Macras neues, von der Kulturstiftung des Bundes gefördertes Projekt. Ihre Gäste aus Südafrika lädt sie noch bis April ein, bevor sie selbst im Herbst ihre choreografierten Rechercheergebnisse auf die Bühne bringt.

Text: Arnd Wesemann

Foto: Zanele Muholi / Courtesy of Stevenson / Cape Town and Johannesburg

On Fire Studio 44, 28.2.–26.4., Klosterstraße 44, Mitte, Karten-Tel. 28 04 24 20. Zur Eröffnung am 28. Febr. und 1. März
tanzen Mmakgosi Kgabi, Juliana Piquero, Kieron Jina u.a.

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