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„The Four of the Gas Station“ im Radialsystem V

Vorankündigungen des post theaters sind mit Vorsicht zu genießen. Die Gruppe nutzt gerne mal die Presseinfo, um ihr Publikum schon gekonnt in die Irre zu führen. Zum Beispiel, wenn sie eine angebliche Dokumentation von Foltermethoden der Südsee bewirbt, die sich am Ende als Kafkas „Straf­kolonie“-Erzählung entpuppt. Oder wenn laut Besetzungs­liste ein Schauspieler den bekannten Kriminalbiologen Mark Benecke­ spielt und am Ende Mark ­Benecke selbst der Performer war. Geht man nach Hause, weiß man oft nicht so genau, wen oder was man nun eigentlich gesehen hat.
So viel zur Warnung. Gesichert ist: Bei der 2010 erstmals gezeigten und nun weiterentwickelten Arbeit „The Four of the Gas Station“ im Radialsystem V geht es um Öl und um Freundschaft. Wen der Titel an den Heinz-Rühmann-Klassiker „Die Drei von der Tankstelle“ erinnert, liegt richtig. Die Arbeit nimmt den Plot des Filmes auf, in dem drei Freunde und Finanzkrisen-Verlierer ihr Auto verkaufen und vom Erlös eine Tankstelle kaufen, um sich selbst einen Job zu schaffen. Beim post theater lernt man nun allerdings den geschassten, bisher unbekannten vierten Freund des UFA-Trios, gespielt von Alexander Schröder, kennen. Und das vielleicht intensiver, als es einem lieb ist: Über Kopfhörer wird man auf den Rücksitz seines Auto gelotst und startet gemeinsam in eine Mischung aus klaustrophobischem Horrortrip und charmanter Edutainment-Fahrt. Aussteigen wäre unhöflich. Denn der Chauffeur ist wütend, braucht also Zuhörer, tritt beim Reden zu stark aufs Gas und hat offenbar zu viele Rechnungen mit den ehemaligen Kumpels offen. Der Film-Hit „Ein Freund, ein guter Freund“ bekommt unweigerlich ein paar Dissonanzen verpasst.
Die ausgeklügelte Dramaturgie der knappen Stunde, die luxu­riöserweise jeweils nur vier Zuschauern und zwei Performern gehört, ist typisch für die Arbeiten des post theaters, ebenso wie die hybride Struktur aus Theater, Performance, Tanz und viel Medienkunst. Im September hat die nächste Arbeit „Jobs im Himmel“ Premiere. Darin treffen Robert Bosch und Steve Jobs aufeinander, die Zuschauer können sich mit Tablets und Smartphones einbringen.

Text: Sabine Schouten

Foto: Posttheater Tanahashi

The Four of the Gas Station im Radialsystem V, Fr 22.8. 18–21.30 Uhr, Beginn alle 30 Minuten; Sa 23.8. 15–21 Uhr, Beginn alle 30 Minuten; So 24.8. 15–20.30 Uhr, Beginn alle 30 Minuten; Karten-Tel. 288 78 85 88

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