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Frank Castorf assoziiert sich an der Volksbühne durch Balzacs „La Cousine Bette“

LaCousineBette_c_ThomasAurin… nachdem Alexander Scheer als Lebemann Hulot neckisch Damen im Publikum angeflirtet („In sieben Stunden bin ich hier fertig“) und Kathrin Angerer sich kokett auf einem Kanapee geaalt hat, bleibt den Insassen dieses Theater-Deliriums nichts anderes übrig, als nach und nach zu sterben.

Die Pariser Lebemänner und Luxuslustdamen hat es aus Balzacs Roman „La Cousine Bette“ auf die Volksbühne verschlagen. Frank Castorf macht lustvoll Grand-Guignol-Clowns, grandios verzickte Stummfilm-Vamps und schmatzende Biedermeier-Karikaturen wie aus einer Offenbach-Operette aus ihnen. Auch sonst ist Balzacs Romanwelt wie gemacht für den bekennenden Zyniker Castorf. Zeigt der Regisseur Frauen am liebsten im Nuttenlook, ist für Balzac klar, dass die Liebe ein Geschäft und sowieso jede und jeder käuflich ist. Josepha (Noa Niv) schafft es auf diese Weise, dank ihrer väter­lichen Gönner und Beischläfer aus besseren Kreisen Crevel (Marc Hosemann) und Hulot zum Opernstar zu werden. In Balzacs Welt ist das Theater ohnehin nur ein Schauplatz, an dem mit mehr oder weniger verruchten Reizen gehandelt wird.

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Die Volksbühne greift dieses Theaterverständnis in der Bühnenästhetik von den hautbetonenden Kostümen bis zur Vorliebe des Bühnenbildners Bert Neumann für Flitter gerne auf. Das auch an diesem Abend ausgiebig eingesetzte Lieblingsstilmittel des Castorf-Theaters betont den Rotlicht-Appeal der Bühnenkunst: Das aus uneinsehbaren Räumen live auf Leinwände übertragene Triebgeschehen darf aus sicherer Distanz goutiert werden, eine Einladung an den Voyeurismus. Geiler Abend!

Text: Peter Laudenbach

Foto: Thomas Aurin

tip-Bewertung: Sehenswert

La Cousine Bette Volksbühne, Sa 28.12., Fr 3.?+?Sa 4.1.14, 19 Uhr, Karten-Tel. 24 06 57 77

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