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Franziska Kessler über ihren Wechsel zur Bar jeder Vernunft

Franziska_KesslerDas BKA, die Berliner Kabarett Anstalt, feiert seinen 25. Geburtstag. Gut 18 Jahre davon haben Sie dort gearbeitet, lange als Geschäftsführerin und künst­lerische Leiterin. Nach ­einer Auszeit von ein paar Monaten beginnen Sie jetzt bei der Konkurrenz, als eine von zwei künstlerischen Leitern der Bar jeder Vernunft und des TIPI. War der Abschied vom BKA schwer?
Franziska Keßler
Ja, klar, das war ja nicht einfach ein Job. Als ich mich entschieden habe, beim BKA aufzuhören, hatte ich kein Angebot der Bar jeder Vernunft. Ich bin nicht abgeworben worden, ich bin auch nicht im Krach gegangen. Aber 18 Jahre sind eine lange Zeit. Ich wollte etwas Neues ausprobieren, auch wenn ich damals noch gar nicht wusste, was das sein wird.

Als das BKA gegründet wurde, war die Berliner Comedy-Szene deutlich übersichtlicher als heute. Es ist viel Konkurrenz dazugekommen. Macht es das für das kleine Kreuzberger BKA schwieriger?
Nicht unbedingt. Eigentlich haben sich weder das BKA noch die  Bar jeder Vernunft „Comedy“ auf die Fahnen geschrieben, beide kommen eher vom Musik-Kabarett. Die Genres haben sich zwischen den Bühnen stärker aufgeteilt. Also kommt es darauf an, sehr genau auf das eigene Profil und die Unterscheidbarkeit zu achten. Wir machen etwas anderes als Thomas Hermanns im Quatsch Comedy Club oder das Wintergarten Varietй. Man muss immer überlegen, welcher Künstler wirklich zu einem passt. Durch YouTube und das Internet verbreiten sich die Nummern rasend schnell, alles hat sofort Dutzende Nachahmer. Wahrscheinlich machen inzwischen 10?000 Comedians Witze über einkaufende Paare bei IKEA.

Apropos Nachahmer: Waren BKA-Künstler auch eine Inspiration für Fernsehstars? ­Ohne Ades Zabel keine Cindy aus Marzahn?
Immerhin wurde sie in Ades Zabels „Ediths Talentschmiede“ entdeckt … Natürlich haben die Comedy-Formate im Fernsehen die Branche verändert.

Das Schlimmste, was dem BKA hätte passieren können, wäre, wenn es zur Start­rampe für Möchtegern-Fernsehkarrieren geworden wäre?
Ja, finde ich schon. Natürlich hilft es auch dem Veranstalter, wenn Künstler im Fernsehen auftauchen. Aber es gibt eine ganze Menge Künstler, die nicht ins Fernsehen gehen, weil sie sich nicht glattspülen lassen wollen. Jemand wie Kay Ray ist für Fernsehen einfach zu unberechenbar, auch vor der Kamera. Unangenehm sind immer Künstler, bei denen man sofort merkt, die wollen jetzt unbedingt gefallen, die imitieren erfolgreiche Vorbilder. Mir ging es beim BKA immer da­rum, dass die Künstler authentisch sind, auch wenn sie vielleicht völlig sinnlosen Quatsch machen. Das Publikum merkt, ob ein Künstler selber Spaß hat oder ob er sich anbiedert.

Wie würden Sie den Unterschied zwischen BKA und ­Ihrem neuen Arbeitgeber beschreiben?
Beide sind von Kabarettisten gegründet worden, die Bar jeder Vernunft von Holger Klotzbach, der davor bei den Drei Tornados war, das BKA vom Cabaret des Westens, kurz: CaDeWe, eine Anarcho-Politik-Kabarett-­Truppe, die sich mit dem BKA einen Auftrittsort geschaffen hat. Die Bar jeder Vernunft war von Anfang ein Gastspieltheater – und sie hat seit dem „Weißen Rößl“ große Eigenproduktionen gestemmt. „Cabaret“ läuft im neunten Jahr sehr gut besucht im TIPI am Kanzleramt. Lutz Deisinger, seit vielen Jahren der künstlerische Leiter der Bar und des TIPI am Kanzleramt, will sich verstärkt um Eigenproduktionen kümmern. Weil das einfach sehr viel Arbeit bedeutet, verstärke ich jetzt die künstlerische Leitung. Im Frühjahr hat mit dem Musical „La cage aux folles“ in der  Bar jeder Vernunft die nächste große Eigenproduktion Premiere. Solche Projekte sind  auch wichtig, um unser Profil zu schärfen. Es hat einfach mehr Charme, so eine Produktion zu stemmen, als Künstler zu engagieren, die auch auf vielen anderen Bühnen auftreten – erst recht, wenn die subventionierten Sprechtheater ihre Auslastung verbessern, indem sie auch mal die bunten Vögel einladen und das BE zum Beispiel Georgette Dee engagiert. Das BKA hat immer noch den etwas rauen Kreuzberger-Anarcho-Charme. Die Bar jeder Vernunft hat mit dem schönen Spiegelzelt im Geist der 20er-Jahre auch ­Vergnügen am Glamour, eine etwas andere Atmosphäre. Ich finde, wir sind Konkurrenten, aber keine Gegner. 

Interview: Peter Laudenbach 
Foto: David von Becker

Hut ab! 25 Jahre BKA
BKA-Theater,
So 18.8.–Fr 27.9.,
Karten-Tel. 202 20 07

 

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