Theater

Frau Becker

Möglicherweise saßen ja in der Premiere von Frank Castorfs neuem Werk in der Volksbühne einige Zuschauer im Publikum, die nicht wussten, wer diese ominöse Frau Becker beziehungsweise Elke sein soll, von der in der Vorstellung dauernd die -Rede ist. Bei Frau Becker, mit der der Frank genannte Boulevard-Held des Stücks öfter telefoniert, handelt es sich offenbar um die so ziemlich einzige Respektsperson in Franks -Leben. Also, wer bitte ist Frau Becker?

Nun, wir sind ein Service-Magazin und stets bereit, interessierten Theater-besuchern bei Wissenslücken Orientierungshilfen zu geben. Frau Becker ist die Sekretärin des Volksbühnen-Intendanten. Das war sie schon, als Frank Castorf irgendwann im letzten Jahrhundert Volksbühnen-Intendant wurde. Frau Becker war damals wegen des neuen Chefs etwas nervös, sie wollte wissen, wie es mit ihr und der Volksbühne weitergeht. Also machte sie -einen Termin beim Chef. Castorf grummelte etwas wie: „Warum sollte ich Sie entlassen? Sie waren doch schon hier, als ich hier mein erstes Praktikum gemacht habe.“ Das war vermutlich eine der glücklichsten Personalentscheidungen, die er im Lauf seines Intendanten-Lebens getroffen hat.  

Als ich die Volksbühnen-Produktionen eine Zeit lang eher fürchterlich fand und das auch geschrieben habe, hat mich Frau Becker im Theater-Foyer mit Blicken der Verachtung gestraft. Als ich die Volksbühne wieder mochte, gab sie mir irgendwann etwas unvermittelt die Hand: „So, jetzt kann ich Sie auch wieder grüßen.“ Glück gehabt. Neulich -feierte Frau Becker einen runden Geburtstag. Sie hat das gesetzliche -Renteneintrittsalter souverän ignoriert. Frank Castorf soll sie auf Knien gebeten haben, noch ein paar Jahre in seinem Intendanz-Vorzimmer zu bleiben. Wenn es jemanden gibt, der an der Volksbühne für Frank Castorf nicht ersetzbar ist, dürfte es Elke Becker sein.  

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