Operette

„Frau Luna“ im Tipi am Kanzleramt

Mit Paul Linckes „Frau Luna“ wollen die Geschwister Pfister sich selbst übertreffen. Kann das gut gehen?
Vier hinreißend geniale Darsteller gibt es in diesem Berliner Operetten-Urknall zu bewundern. Die großartige Andreja Schneider übertreibt als Frau Luna ihre Revue-Girl-Anfälle ins Transzendente. Gustav Peter Wöhler sieht als Prinz Sternschnuppe aus wie Franz Josef Strauß in Strumpfhosen. Bezaubernd sind auch die wuchtbrummige Anna Mateur (Stella) und Cora Frost als strunzblöde Venus. Der Rest ist eine bis ins Letzte mit Lokalzelebritäten vollgestopfte, teilweise bemüht leichtfüßige, nach der Pause schön auf Touren kommende Star-Butterfahrt zum Mond.

Mit Paul Linckes „Ausstattungsoperette“ möchte man, unterstützt von den Geschwistern Pfister, an den Erfolg des legendären „Weißen Rössl“ von 1994 anknüpfen. Ursli Pfister als Frau Pusebach präsentiert sich als ein Berliner Corsage-Wunder, hat aber mit dem Dialekt seine Schweizer Schwierigkeiten. Thomas Pigor als (Be-)Lämmermeier kalauert sich einen Wolf – nach dem schönen Motto: „Und ist der Vers auch noch so schlecht / Es gildet das Urheberrecht.“ Zum rotzdoofen Berlinertum (einem zeitlos schönen Thema) findet die Regie von Bernd Mottl keinen rechten Draht. Unter Johannes Roloff als Arrangeur indes rülpsen die Bläser und verströmen derben Salon-Sound, ohne falsche Vornehmheit. Neben der notorischen „Berliner Luft-Luft-Luft“ sind noch weitere Linckesche Dauerlutscher mit eingespeist. Ein Besuch dieser ehrgeizigen Edel-Exhumierung: Berliner Ehrensache.

Tipi am Kanzleramt Di+Mi und Fr+Sa jeweils 20 Uhr, So 19 Uhr, Eintritt 20–64,50 € (Fr/Sa/an Feiertagen 20–69,50 €), erm. 25 € a.d. Abendkasse

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