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„Frau Zucker will die Weltherrschaft“ an der Neuköllner Oper

FrauZuckerWillDieWeltherrschaftDie Story ist dünn, glücklicherweise aber auch durch und durch absurd: Eine Mischung aus „Hänsel und Gretel“ und „Invasion of the Bodysnatchers“ mit Tanznummern. Frau Zucker (Angela Bittel), die fürsorgliche Nachbarin, hat Kinder zum Fressen gern, und entwickelt zusammen mit einer Wissenschaftlerin und einem Pharmavertreter, den Plan, den hyperaktiven Gören mithilfe einer Teufelsmaschine (auf der Bühne ist es eine Duschkabine) die Energie abzusaugen und diese für die Allgemeinheit nutzbar zu machen, was im Nebeneffekt die Gören prompt in lahme Erwachsene verwandelt. Der perfide Plan wird vom wachsten Kind (Walesca Frank) vereitelt. Nebenbei geht es noch um depressive oder gestresste Eltern, pharmazeutische Pädagogik und andere Unerfreulichkeiten. Die gute Laune geht dabei nie verloren.

Wolfgang Böhmers Musik ist aus Pop, Filmmusik und Klassik smart und effektiv zusammengeklaut.  Es sind auch ein, zwei lustige Kinderhassersongs dabei. Ansonsten dominieren Boulevardtheatereffekte der guten alten Zeit: Papa (Nikolas Heiber) kommt nach Hause und findet Mama (Valerija Laubach) im tкte-а-tкte mit dem Babysitter (Nicky Wuchinger) vor. Erstklassig sind die Tanznummern (Choreographie: Neva Howard): angemessen albern, phantasievoll und gar nicht so kindlich, stellenweise sogar ziemlich lasziv. Was für eine brillante Idee zum Beispiel, eine Zwölfjährige, die sich als 30-jährige Ärztin ausgibt (und das Mad-Scientist-Hirn hinter dem ganzen depperten Energieverschwörungsplan ist), von einer Blondine mit ungefähr zwei Meter langen Beinen (Nadine Aßmann) im vollen Selbstbewusstsein der Wirkung darstellen zu lassen. Oder wie Peter Lund selber am Premierenabend sagte: „Musical machen, Singen, Tanzen, danach direkt Biertrinken gehen, das geht so nur in der Neuköllner Oper.“ Genau. Was will man mehr? Kunst doch nicht etwa?

Text: Andreas Hahn

Foto: Matthias Heyde

tip-Bewertung: Sehenswert

Frau Zucker will die Weltherrschaft Neuköllner Oper, 27.,28., 30.10., 3.–6., 11., 13., 17.–20. 11., 20 Uhr, Karten-Tel. 68 89 07 77

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