Theater

Freejazz kombiniert mit Tanz

Berlin, findet Yui Kawaguchi, „ist gebaut wie eine Bach-Partitur, aber gelebt wird in dieser Stadt, als sei sie eine Jazzimprovisation“. Die japanische Tänzerin Yui Kawaguchi kommt aus Tokio und lebt, ebenso ihre aktuelle Sparringspartnerin, die große japanische Jazzpianistin Aki Takase schon lange in Berlin – verglichen mit der 13-Millionen-Einwohner-Stadt Tokio eine beschauliche Kleinstadt. Japanerinnen sehen in Berlin offenbar den Jazz unbegrenzter Möglichkeiten. Für die Tänzerin Yui Kawaguchi und die Pianistin Aki Takase ist Berlin ihre „Stadt im Klavier“ – so der Titel ihrer gemeinsamen Tanz-Konzert-Reihe.  

„Cadenza“ heißt ihr nun fünfter Ausflug in die getanzte Jazz-Improvisation. Der Titel bedeutet, sich inmitten der Komposition einen Freiraum von mindestens der Größe des Tempelhofer Felds zu erobern. Da passiert es schon mal, wie bei den früheren Duellen zwischen Pianistin und Tänzerin, dass Aki Takase an ihr Klavier gefesselt ist oder dessen Saiten im Raum verspannt sind, während die zierliche Kawaguchi den Raum halsbrecherisch zertanzt.

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Als gegenseitige Sparringspartnerinnen für Tanz und Tastatur hebeln sie in großen und kaum berechenbaren Momenten den Verstand aus den Angeln. Wie erst kürzlich im Dock 11. Dort drückte Yui Kawaguchi jedem Zuschauer ein lebensgroßes Herz aus Kunststoff in die Hand, ließ es wirklich pochen und tanzte inmitten ihres eigenen, 3D-projizierten Körpers. Es war der Wahnsinn. Bei diesen Japanerinnen hat er Methode.

Text: Arndt Wesemann

Foto: Antonella Travascio

Yui Kawaguchi + Aki Takase: Cadenza – Die Stadt im Klavier V
Sophiensжle, Mi 5.– Fr 7. Februar,  20 Uhr, sophiensaele.com, -Karten-Tel. 283 52 66

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