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Freischwimmer-Festival in den ?Sophiensжlen

Freischwimmer-Festival in den ?Sophiensжlen

Auf der Sunbeng kommt der Mensch zur Ruhe. Im besten Fall zu sich selbst. Die Sonne genießen, vor sich hin sinnieren. Darum geht’s auf dieser Bank vor dem Hof, im oberösterreichischen Dialekt eben: Sunbeng. „Eine Art Bauern-Meditation“, beschreibt Simon Mayer. Der Tänzer und Performer aus der ländlichen Gemeinde Andorf – aufgewachsen auf dem elterlichen Biobauernhof – hat sich davon zu seinem Stück „SunBengSitting“ inspirieren lassen. Das läuft auf dem Freischwimmer-Festival, das die Sophiensжle in Kooperation mit anderen freien Spielstätten wie brut Wien oder Gessnerallee Zürich veranstalten. Mayer betreibt mit seiner Solo-Performance Heimatkunde der reflektierten Art. „Je weiter ich von zu Hause weggekommen bin, desto mehr habe ich mich für die Bräuche und Rituale meiner Region zu interessieren begonnen“, so Mayer.
Der Mann hat zunächst eine klassische Ausbildung absolviert und beim Wiener Staatsballett getanzt, seine Prägung aber vor allem am Institut P.A.R.T.S. der flämischen Choreografie-Ikone Anne Teresa De Keersmaeker erlebt. In „SunBengSitting“ widmet er sich jetzt einer Gattung, die unter noch größerem Engstirnigkeits-Verdacht steht als das Ballett: dem Volkstanz. Während seiner Ausbildung in Belgien, unter Mitschülern aus aller Welt, habe er gemerkt: „Tango Argentino ist extrem angesagt, indische Folklore auch.“ Und sich zu fragen begonnen: „Warum nicht der österreichische Tanz? Warum nicht das Jodeln?“
Das Ergebnis ist jetzt in den Sophiensжlen zu besichtigen. Wobei die Brauchtumsrecherche – die Simon Mayer auf der Bühne komplett nackt unternimmt – kein Bergidyll beschwört. Sondern eine Reihe gesellschaftspolitischer Fragen aufwirft. Der Volkstanz hat schließlich ein ziemlich rechtes Image. Und Frauenbewegung bedeutet hier klischeegerecht auch nur, dass die Damen sich in der Paarformation hübsch unterordnen. Der „SunBeng“-Macher befragt Männlichkeitsbilder. Wie fest muss der echte Kerl zum Beispiel beim Schuhplattler zuhauen? Im Zweifel ist diese Extremform der ritualisierten Frohsinnsbekundung, wie Mayer beim Schuhplattler-Selbstversuch in Unterhosen festgestellt hat, „nahe an der Selbstkasteiung“.
Beim Freischwimmer-Festival will man in diesem Jahr „Intimität auf der Bühne herstellen, individuelle Perspektiven auf gesell­schaftliche Fragen sichtbar machen“, so „Freischwimmer“-Dramaturgin Johanna Höhmann. Künstlerin Stefanie Sourial zieht dazu in „Freak“ das Neurosenmaterial der eigenen Biografie heran. Tümay Kilinçel und Jungyun Bae stellen eine „Dance Box“ auf, in der man sich für zwei Euro einen Privattanz ordern kann. Allerdings nur jugendfreie ­Varianten.

Text:
Patrick Wildermann

Foto: Florian Rainer

Festival ­Freischwimmer Sophiensжle, ?bis Sa, 25.10., Karten-Tel.: 283 52 66

Sunbengsitting: Fr 24.10.+Sa 25.10., ?19 Uhr
B Open: Fr 24.10.+Sa 25.10., ?20.30 Uhr
Freak: Fr 24.10.+ Sa 25.10., ?22 Uhr
Dance Box: Do 23.10. bis So 25.10., ?17 bis 21 Uhr

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